Seine Gedanken
WIE SEID IHR AUF DIE IDEE GEKOMMEN?
Ich würde ja gerne sagen daß es alles ein sehr bewußter Prozess war, aber ehrlich gesagt, war eine ziemliche spontane Idee die ich vor vielen Jahren hatte. Ich hatte von der Seidenstraße gehört und darüber wie Leute auf dem Landweg von Europa nach Indien gefahren sind. Ich war nach Neuseeland für ein Post-Graduierten Studium gekommen und da ich meine freie Zeit nutzen wollte, um das Land zu erkunden, hatte ich meine alte BMW mitgenommen. Als mein Studium fertig war, dachte ich, es wär doch eigentlich eine klasse Geschichte die Maschine nach Indien zu verschiffen und dann, anstatt zu fliegen, nach Hause zu fahren. Tja, das war eine nette Idee und aus verschiedenen Gründen wurde dann nichts draus. Ein paar Jahre später war ich dann wieder (oder immer noch) in Neuseeland und die Idee wurde wieder lebendig. Und besser noch, dieses Mal hatte sie mehr Hand und Fuß und passte auch viel besser in die unsere allgemeine Lebens- und Berufsplanung. Und so fangen wir jetzt noch mal an, versuchen einen Traum wahr werden zu lassen...
WORAUF FREUST DU DICH AM MEISTEN AUF DER REISE?
Zum einen auf die Länder, in denen ich noch nie gewesen bin. Ich habe so viele Reiseberichte gelesen und Bilder und Filme gesehen, und hatte auch einen kurzen Eindruck von Asien bei Zwischenstopps in Bangkok und Singapur. Aber ich kenne die ganzen Länder und ihre Menschen nicht. Und klar, der Nahe Osten, der Orient mit all seinen mystischen Orten und Plätzen aus Tausendundeiner Nacht – Teheran, Damaskus, Kairo... und ich bin auf Libyen gespannt, ein Land in dem nur ganz wenige westliche Touristen bisher waren. Aber natürlich und ganz ehrlich, ich freue mich auch darauf auf dem Motorrad zu sitzen, den ganzen Tag, jeden Tag. Da draußen zu sein, zu reisen und neue Orte und Länder zu sehen. Sich nochmal frei zu fühlen, von allem.
WAS SIND DEINE PLÄNE FÄR DANACH?
Um diese Reise durchführen zu können, müßen wir beide unsere Jobs aufgeben. All unsere Sachen werden eingelagert, Post umgeleitet, und alles was wir zum Leben brauchen wird gleichmä ßig auf zwei Packtaschen verteilt werden. Es wird ein Zigeunerleben auf Zeit werden und das macht es schwierig zu sagen was danach kommen wird. Man kann so lange im voraus sich nicht auf eine Stelle bewerben und kein Arbeitgeber hält eine Position so lange offen. Kurz, wir wissen es nicht. Wir werden vielleicht etwas in Europa bleiben, aber wahrscheinlich kommen wir wieder zurück. Ich halte es da mit John Lennon: wenn Du Gott zum Lachen bringen willst, mußt Du Pläne für die Zukunft machen.
HAST DU " THE LONG WAY ROUND" GESEHEN? IST EURER TRIP EINE KOPIE? WAS HÄLST DU VON IHREM TRIP?
Ja und Nein. Ich hab die DVD gesehen und fand sie sehr gut. Die beiden haben sich nicht zu ernst genommen und hatten ein sehr gutes, kameradschaftliches Verhältnis zueiander, das hat mir gefallen. Sie haben auch die Atmosphäre, die Spannung einer solchen Reise, eines solchen Abenteuers, rüberbringen können. Aber es war natürlich auch komplett übertrieben was die Ausrüstung und die Planung anging. Sie hatten drei Motorräder, zwei Begleitfahrzeuge und alles war von vorne bis hinten gesponsort und schon vorab als TV-Serie verkauft bevor sie auch nur einen Kilometer gefahren waren. Es war eine hochprofessionelle Expedition, perfekt durchgeführt und als Film sehr sehr unterhaltsam. Aber genau aus dem Grunde ist unsere Reise etwas völlig anderes. Wir machen es sehr bescheiden, nur wir zwei auf einem Motorrad, keine extra Kameras, und keine Begleitfahrzeuge. Auf der anderen Seite w&auuml;re es aber auch gelogen zu sagen, die beiden hätten uns nicht inspiriert. Wir werden viele Dinge ganz anders machen, langsamer reisen und uns auch auf Fotos konzentrieren, nicht auf Film. Aber in den langen Monaten des Planens und Traümens hat uns ihr Film aufgemuntert und motiviert und dafür sagen wir danke, Ewan and Charlie!
WAS WIRD DAS SCHWIERIGSTE AN DER GANZEN REISE WERDEN?
Leute die noch nie eine Motorradreise gemacht haben denken oft das es wie mit dem Auto ist, nur halt auf zwei Rädern und romantischer. Leider ist das überhaupt nicht so. Man sagt das Segeln so wie unter der Dusche stehen und Geldscheine zerreissen ist. Motorradfahren ist so ähnlich, nur daß man dazu auch noch ordentlich schwitzt. Und darüber mache ich mir am meisten Sorgen, die Hitze. Fast alle Länder durch die wir durchfahren haben ein sehr heißes, tropisches Klima. So heiss daß man es in Shorts und T-shirt schon kaum aushält. Und wir haben unsere Motorradsachen an, Jacke, lange Hose, dicke Schuhe, Helme. Das wird echt hart. Dazu kommt der chaotische Verkehr, in dem wir auch noch auffallen werden wie ein Tanker bei einer Regatta. Und dann sind da natürlich noch die offroad passagen. Ich hab keine Ahnung wie das gehen soll, in den Rasten stehen wird ja nicht gehen.
WAS DENKEN DEINE FREUNDE DARÜBER?
Ich denke meine Freunde kann man in zwei Gruppen einteilen: die einen findens gut und sind gespannt, wie wir es machen. Und die anderen sind besorgt und denken es ist einfach leichtsinnig, nicht mal so weil es gefährlich ist, sondern mehr dass man in meinem Alter sich vielleicht besser auf die Karrierie konzentrieren sollte. Ich bin mir sicher, daß meine Eltern auch genau das denken...
WO IST DEIN ZUHAUSE?
Meine Einstellung dazu hat sich über die Jahre geändert. Als ich jung war war es natürlich das Elternhaus. Später, während des Studiums, hatte ich schon zwei Zuhause, am Studienort und daheim. Aber auch das änderte sich und mehr und mehr wurde mein Studienort und später dort wo meine Arbeit war mein Zuhause. Und dann, als ich zurück aus Afrika kam, war wieder alles anders. Deutschland war plötzlich klein geworden und meine Heimatstadt fuühlte sich fremd an. Das Gefühl hat mich irgendwie nie verlassen und so sehr ich auch Neuseeland oder Wellington als mein Zuhause betrachte, ein Teil von mir ist doch immer noch drüben in Europa, in Deutschland. Vielleicht trifft das auf alle Immigranten zu, vielleicht geht’s auch nur mir so. Aber Zuhause, für mich, das ist mehr als nur ein Ort.
WANN DENKST DU WIRD DIE REISE VORBEI SEIN?
Der Trip ist für 6 – 8 Monate angelegt. Das sollte genügend Zeit sein uns durchzubringen, selbst wenn man die eine oder andere Panne einkalkuliert sowie Pausen hier und da für uns. Und dann ist da natürlich noch der mitteleuropäische Winter. Wir müßen spätestens im Herbst ankommen, dh September oder Oktober, sonst haben wir ein Problem. Ab Oktober wird es saukalt in den Alpen und wenn der Winter früh kommt und wir Schnee haben, können einige Pässe unpassierbar sein. Mit dem Motorrad im Winter in den Alpen, das ist kein Spaß mehr.
WAS FRAGEN DICH DIE LEUTE WENN DU IHNEN VON DEM TRIP ERZÄHLST?
Bis jetzt hatte ich noch keine merkwürdigen Fragen. Die meisten Leute sind ehrlich überrascht und fragen das übliche (wohin, welche Länder, wie lange, wo geht’s los usw). Irgendwelche dummen Sprüche hatte ich bis jetzt nicht, aber das kommt sicherlich noch.
BIST DU BESORGT ODER HAST DU ANGST VOR EINIGEN LÄNDERN?
Es klingt vielleicht komisch, aber ich mache mir wirklich keine richtigen Sorgen daß es gefährlich werden könnte oder so. Das hat jetzt auch nichts mit Naivität zu tun. Sondern mehr damt daß wir nicht durch irgendwelchen gefährlichen Länder fahren werden. Weder Afghanistan noch Irak sind auf unserer Route und in den anderen Ländern wird uns unser gesunder Menschenverstand schon schützen. Ich mach mir mehr Sorgen um die ganzen Grenzen und ob wir tatsächlich in all die Länder reinkommen werden. Grenzen und Grenzposten sind unvorhersehbar und ein Unmöglich am Montag kann ein Null Problemo am Mittwoch sein. Darauf kann man sich nicht vorbereiten, wir können es nur so spielen wie es kommt.
WAS MOTIVIERT DICH EINE SOLCHE REISE ZU MACHEN?
Ich glaube daß hängt damit zusammen, daß ich mir irgendwann mal diese Krankheit zugelegt habe, die man Reisefieber nennt. Im Englischen nennt man es itchy feet, aber mir gefällt der deutsche Ausdruck besser. Vielleicht habe ich es auf meinen Reisen in Europa schon bekommen, vielleicht auch erst später in Afrika. Wie auch immer, wenn man es mal hat, wird man es nicht mehr los. Und ich mach das sicherlich nicht, um irgendwas zu beweisen. Und auch nicht um von nun an auf Reisen zu sein und nicht mehr zurückzukommen. Mir gefällt das Leben und Arbeiten in der Stadt und an einem Ort eigentlich sehr gut. Aber in den letzten sieben Jahre habe ich fast nur gearbeitet, in drei Ländern, bin zigmal umgezogen und hab eigentlich alles erreicht was ich erreichen wollte. Und jetzt brauch ich einfach mal eine Pause um meine Batterien wieder aufzuladen. Und dann schau ich mir mal mein Leben noch mal mit frischen Ideen an.
WARUM MIT DEM MOTORRAD?
Reisen mit dem Motorrad ist für mich der beste Weg ein Land kennenzulernen. Du bist ungeschützt, in der Natur, wenn es regnet wirst du nass, wenn die Sonne scheint, trocknest du wieder. Alles ist unmittelbar, ohne Filter – die Geschwindigkeit, der Wind, die Luft, die Gerüche, sogar die Farben sind intensiver. Ich habe auch festgestellt das die Leute Dich schneller ansprechen, ohne Angst. Das kann natürlich auch anstrengend sein, gehört aber zum Erlebnis dazu. Du lernst auch Distanzen anders einzuschätzen. Im Auto sind 1000km höchstens etwas ermüdend und die Landschaft draußen wandert vorbei als wärs ein Film. Auf dem Motorrad ist das anders, jeder Kilometer ist neu und man entwickelt ein anderes Verhältnis zur Strecke. Der Weg ist das Ziel – und am besten erlebt man das auf dem Motorrad.