Reiseblog

Vietnam

Ho Chi Minh City, Vietnam. Typische Strasssenszene. Der Verkehr besteht nur aus Mopeds, Autos fallen gar nicht weiter auf.

Km 7168 - Halong Bay - Hanoi

Datum:  1 April 2008  |  Von:  Robert  |  Stimmung: Ko

Es bleibt grau und nieselig, der Resttag in Halong Bay bringt keine Besserung und keine Fotos und die Fahrt nach Hanoi ist sogar richtig kalt. Sarah traegt Fleece und Thermounterwaesche und ich habe zum ersten Mal die Jacke zu und die warme Reusch- Halskrause an.

Wir haben ein Hotel gebucht und lassen uns von einem Scooter-Taxi hinbringen, aber es ist ein Reinfall. Viel zu klein, in einer schaebigen und stinkigen Ecke von Hanoi’s Old Quarter, und der angepriesene ‘Hotelparkplatz’ ist ein ueberfuellter Buergersteig hundert Meter entfernt. Das Old Quarter, das Zentrum von Hanoi, besteht nur aus winzigen, vollgepropften Gassen, mit Hauesern so schmal wie ein Handtuch. Es wird schwierig, wenn nicht unmoeglich, hier ein Hotel mit Parkplatz zu finden. Ausgerechnet in der Stadt, wo wir lange bleiben muessen um die Weiterfahrt zu organisieren, ausgrechent hier ist die Unterkunft ein Problem.

Wir suchen auf eigene Faust, fahren im Kreis herum, aufs geradewohl links, rechts, folgen grossen, kleinen Strassen, halten immer wieder an, wenn wir ein Hotel sehen. Die schoenen sind alle zu teuer, und je weiter wir rausfahren, umso groesser und teurer scheinen sie zu werden.

Stunden vergehen und es ist wieder mal der Zufall, der uns hilft.

Wir sind wieder zurueck im Old Quarter und das Hotel ist etwas grosser als die anderen Handtuecher, und hat eine Lobby, in die das Motorrad passen wuerde. Sarah laesst ihren Charme spielen und es dauert eine Weile und wir muessen diskutieren und erklaeren und bieten sogar an, mehr zu bezahlen, wenn das Motorrad nur von der Strasse weg und im Hotel geparkt werden kann, neben den anderen beiden Rollern die da schon stehen. Das Problem ist anscheinend gar nicht der Platz oder das Geld, sondern das sie Angst haben, wir wuerden die Maschine jeden Tag rein und raus rollen, was jeden Tag Moebel ruecken und Umstaende bedeuten wuerde. Nichts was mir ferner liegt, ich freue mich eher drauf fuer mindestens eine Woche das Motorrad ueberhaupt nicht anzufassen.

Und als wir das geklaert haben, geht alles ganz schnell. Abladen, noch kurz ein paar Worte mit einer deutschen Reisegruppe wechseln die gerade am Hotel vorbeiwandert, dann die Maschine durch die Lobby, um die Ecke ins Wohnzimmer schieben, aufbocken, fertig.

Und dann hoch ins Zimmer und unter die heisse Dusche. Ist das schoen.


Km 6995 - Nam Dinh - Halong Bay

Datum:  30 - 31 Maerz 2008  |  Von:  Robert  |  Stimmung: Ko

Eigentlich sind es nur 160km, aber wir brauchen praktisch den ganzen Tag. Wieder mal viel zu viel Verkehr, wieder mal keine Schilder, wieder mal orientierungslos. Wir kommen noch nicht mal aus Nam Dinh raus, das gestern Nacht noch so klein und verschlafen aussah und heute ein Labyrinth aus Gassen und Bruecken ist. Nach etlichen vergeblichen Versuchen nimmt Sarah ein Scooter- Taxi und wir lassen uns aus der Stadt lotsen.

Es ist wenigstens kuehl heute, grau, bewoelkt, angenehm. Und als wir in Halong Bay ankommen sieht es aus wie an der Nordsee und die Inseln liegen da draussen, im Dunst, kaum zu erkennen.

Halong Bay besteht nur aus Hotels, aber alle sind leer, es ist keine Saison. Die Verkauefer langweilen sich in ihren kleinen Laeden und die Restaurants gaehnen einen mit leeren Tischen an. Wir tuckern von einem Hotel zum anderen, vergleichen Preise und Angebote. Das dauert fast laenger als die Fahrerei hierhin, aber es macht auch Spass und fuer uns lohnt es sich, da wir zwei Naechte bleiben werden. Und wir finden ein sehr nettes Hotel, grosses Zimmer, grosses Bad, mit Blick aufs Meer und das Motorrad kann mal wieder in der Lobby parken.


Km 6795 - Dong Hoi - Nam Dinh

Datum:  29 Maerz 2008  |  Von:  Robert  |  Stimmung: Ko

Von hier bis Hanoi sind es noch 500km und wir wollen es in einem Tag schaffen. Und eigentlich ist es klar, dass das nicht geht, aber bis Mittag sieht es gut aus und wir haben 220km auf der Uhr stehen.

Tanken ist mal wieder ein Drama, die letzen Male ging es immer schief. Ein paar Mal habe ich es selbst gemacht und den Tank ueberfuellt, da – natuerlich – die Zapfpistolen hier sich nicht abschalten wenn der Benzinpegel zu hoch ist. Dann hatten wir einen Tankstopp wo der Tankwart auf Zack war und randvoll abfuellte, ohne einen Tropfen daneben zu giessen. Also dachte ich vielleicht lasse ich es doch lieber die Profis ran. Grossartige Idee. Denn heute haben wir diese Liesl an der Zapfsauele, die sogar sieht das der Tank fast voll ist und dann trotzdem versucht noch einen Liter reinzukriegen. Riesenschweinerei natuerlich. Also wieder Tankrucksack runter, einen Eimer Wasser holen, alles abwaschen. Macht Spass.

Dann wird der Verkehr immer dichter und die Strassen immer schmaller. Und schlechter. Es ist nicht zu fassen, die einzige Strasse nach Hanoi, zur Hauptstadt, und sie ist schlechter als alles was wir bisher hatten.

Die Karawane der LKWs und Busse hoert nicht auf, du ueberholst drei, vier, fuenf Busse, mal rechts, mal links auf dem schmalen Standstreifen (mir wird dabei jedesmal anders), hast eine Luecke von vielleicht einem Kilometer, dann sind da die naechsten vier, fuenf LKWs und Busse. Irgendwann faellt unser Schnitt auf 30km/h und meine Nerven sind im Eimer, die Konzentration ist hin und dunkel wird es auch noch.

Planaenderung. Weiter bis in den naechsten Ort, uebernachten, und morgen dann nach Halong Bay, einem der Weltkulturerbe von Vietnam, die Bucht mit den tausend Inseln, von der jeder schwaermt. Im Stockdunkeln kommen wir in Nam Dinh an, das erste Hotel sieht gut aus und wir nehmen es. Die Dusche ist phantastisch, stark und heiss, dafuer haben wir in der Garage einen Auflauf vom Personal, das froehlich auf der BMW rumturnt. Der Chefkomiker ist betreten als ich ihn verscheuche und spaeter mache ich die Alarmanlage an (die auch kurz drauf losjault) – auch wenn es alles nicht boese gemeint ist und sie so ein Motorrad noch nie gesehen haben, ich hab die Schnauze voll davon.

Und so langsam auch von Vietnam.


Km 6495 - Danang - Dong Hoi

Datum:  28 Maerz 2008  |  Von:  Robert  |  Stimmung: Ko

Die Tage werden immer aehnlicher und gehen ineinander ueber. Fahren, schlafen, aufstehen, packen, fahren, anhalten, schlafen, aufstehen. Wir brauchen morgens nichts mehr zu sagen, es ist alles Routine. Es dauert immer so 90 Minuten, vom aufstehen, ueber Duschen, auschecken und packen bis wir unterwegs sind. Etwas laenger wenn wir Fruehstueck im Hotel haben. Der Koerper will nicht mehr so richtig und Schlaf bringt keine richtige Erholung mehr. Alle Muskeln sind steif und verspannt und die Hitze am Morgen ist unertraeglich.

Wieder mal Chaos und Stress bevor wir endlich die richtige Strasse raus aus Danang finden. Und dann geht es wieder in die Berge, ein steiler Pass, direkt am Meer entlang, und die Aussichten sind phantastisch so dass wir fast zwei Stunden lang nur Photos machen. Sarah oben am Pass abgesetzt und dann fahre ich die Serpentinen rauf und runter. Und wieder rauf und runter. Bis sie mit den Bildern zufrieden ist.

Ganz oben halten die Tourbusse und wie so oft vorher auch, sind sie voll mit Deutschen. Es dauert eine Weile bis der erste das Paderborner Kennzeichen entdeckt, und wie immer denken alle wir waeren von Deutschland aus hier runter gefahren. Unten in der Ebene steht die Hitze, aber die Strasse ist gerade und breit und wir kommen gut voran.In Ha Tinh ist Schluss fuer heute, wir koennen nicht mehr, und nehmen ein Zimmer im besten Hotel der Stadt. $50USD, das teuerste bis jetzt ueberhaupt, aber es ist uns egal. Internet im Zimmer und auch sonst ist alles da was man sich nur vorstellen kann. So schoen. Wuenschte wir koennten hier bleiben.


Km 6045 - Kon Tum - Danang

Datum:  27 Maerz 2008  |  Von:  Robert  |  Stimmung: Ko

Eine der wesentlichen Unterschiede zu einer normalen Reise und einem Trip wie diesem ist das du nie weisst, was der Tag bringen wird. Oder wie er endet. Tage, die gut gelaunt und entspannt anfangen, koennen sich am Ende voellig drehen und katastrophal werden. Und Tage, die hektisch, schlecht gelaunt, anstrengend anfangen, koennen sich zu den besten des ganzen Trips entwickeln. Abends, wenn alles vorbei ist, man erschoepft, ko oder auch zufrieden im Hotel ist, fragt man sich was heute eigentlich passiert ist. Und oft weiss man das selbst nicht so genau.

Es ist eigentlich ein guter Tag heute, der gegen Ende richtig Spass macht, aber dann voellig kippt. Am Spaetnachmittag, als wir nur noch 50, 60km von der Kueste und Hoi An, dem beruehmten Fischerdorf, wo wir hinwollen, entfernt sind, wird die Strasse mit einem Mal spektakulaer. Windet sich korkenzieherartig die Berge rauf und in Serpentinen wieder bergab, gibt sagenhafte Ausblicke auf den dichtbewachsenen Dschungel links und rechts der Strasse frei. Wir halten zig Mal an, machen Fotos, fahren vor und zurueck. Und als die Strasse endlich gerade und flach wird sind es nur noch 30km bis Hoi An und wir freuen uns auf einen fruehen Abend.

Aber daraus wird nichts.

Es gibt keine Abzweigung nach Hoi An, kein Schild, nichts. Das GPS findet es auch nicht und der einzige Tankwart an der T-Kreuzung schickt uns Richtung Danang, dem naechsten Ort im Norden. Und eh wir uns versehen sind wir mitten drin in Danang, und es ist ein Festival in der Stadt, ein Feuerwerk, und die halbe, ach quatsch, die ganze Stadt ist auf der Strasse. Hunderte, tausende von Menschen zu Fuss, auf Rollern, mit Autos. Danang hat breite, boulevardartige Strassen, aber sie sind alle verstopft und es ist kein Durchkommen. Wir fahren von Hotel zu Hotel und alle sind ausgebucht.

Wir bleiben schliesslich komplett im Chaos stecken und als wir endlich raus sind und auf der Strasse zurueck nach Sueden (das glauben wir jedenfalls), bin ich nassgeschwitzt und voellig ko. Und es ist bereits nach 21 Uhr.

Es soll noch eine Stunde dauern bis wir endlich ein Hotel finden, das noch Platz hat. Es ist nichts besonderes, billig, mit Bad auf dem Flur, aber uns ist alles egal. Nur noch anhalten, duschen, Bett. Nichts geht mehr. Und ich bin so fertig dass ich sofort in einen komaaehnlichen Schlaf falle, waehrend das Licht brennt und Sarah noch am Computer sitzt und den Tag in den Blog tippt.


Km 5785 - Lac - Kom Tum

Datum:  26 Maerz 2008  |  Von:  Robert  |  Stimmung: Ko

Es ist schon morgens unertraeglich heiss, viel zu heiss. Wir muessen heute Kilometer machen, vorankommen. Und es geht gut voran, die Hauptstrasse ist schnurgerade und breit genug, so dass wir die stinkigen Diesel-Lkws und Busse schnell und zuegig ueberholen koennen. Wieder mal ein paar Unfaelle am Wegesrand, Pkw gegen Roller, Lkw gegen Roller. Die Polizisten machen wichtige Kreidestriche auf der Fahrbahn und sind wieder einmal zu beschaeftigt, uns richtig wahr zu nehmen. Bis jetzt hat uns niemand angehalten und ich frage mich, wann unsere Gluecksstaehne aufhoeren wird.

Am Spaetnachmittag ist es dann soweit, nur noch 30km bis Komtum, wo wir die Nacht verbringen wollen, hat sich das Gewitter dann endlich soweit aufgebaut und schlaegt zu. Und wie. Wir suchen Zuflucht an einer grossen Tankstelle, parken unter dem Dach, tun das nicht eine Sekunde zu frueh. Was dann losbricht ist mehr Sturm als Gewitter, verwandelt die Strasse in einen Fluss und laesst die Schlagloecher zu Tuempeln anschwellen.Der Wind peitscht den Regen bis ins Gebauede und die freundliche Tankwaertin stellt uns Stuehle hin und so sitzen wir da, im Eingang des Tankstellenhaueschens, und beobachten wie da draussen die Welt untergeht.

Nach einer Stunde hat sich eine richtig kleine Gruppe eingefunden, mehrere Rollerfahrer, zwei grosse LKWs, ein neuer Landcruiser, der bis zu den Radkaesten in einem der Schlagloecher verschwand als er zu uns abbog. Es vergehen anderthalb Stunden und es ist stockdunkel bevor wir uns wieder auf die Strasse wagen. Ganz rechts und langsam, aber es hilft nichts da der Gegenverkehr mich voellig blendet und die Busse und LKWs nach wie vor staendig ueberholen. Ich weiss nicht ob sie uns sehen. Oder ob es sie interessiert. Und bin nur noch froh und erleichtert als wir die 30km heile ueberstanden haben und in Komtum einrollen.

Gottseidank.


Km 5484 – Dalat - Lac (Central Highlands)

Datum:  25 Maerz 2008  |  Von:  Robert  |  Stimmung: Genervt

Es ist tatsaechlich kuehl hier oben, so kuehl dass ich zum ersten Mal ueberhaupt Jeans und Fleece anziehe. So schoen mal wieder durchatmen zu koennen und nicht andauernd zu schwitzen. Der Nachteil ist natuerlich das es regnet, mehr oder weniger den ganzen Tag. Kein Wetter um Fotos zu machen, aber wir fahren trotzdem los bis es dunkel wird. Wie immer erregt die BMW Aufsehen als wir sie abends vor dem Pub parken, und wir kommen ins Gespraech mit ein paar Expats und dem Chef der ‘Easy Rider’, einer Gruppe Motorradfahrer die Touren fuer Touristen anbieten – als Fahrer oder Beifahrer. Mit 175ccm, mehr duerfen sie ja nicht, und zwei Personen und Gepaeck durch die Berge, Respekt. Das wuerde in Deutschland auch gegen Geld nicht mal 16jaehrige machen um sich ihr Taschengeld aufzubessern. Und hier verdienen sie ihren Lebensunterhalt damit.

Es ist sonnig als wir Dalat verlassen, aber das aendert sich schnell und der Regen kommt zurueck. Die Strassen sind schmierig und wir muessen langsam fahren, und als es endlich wieder trocken ist, wird es daemmerig.

Auf einem guten, kurvigen, Streckenabschnitt, passiert es dann. Wir sind noch nicht mal schnell, und das ist unser Glueck, denn als wir um die Kurve kommen ist da direkt vor uns, am Ausgang der Kurve, in der Mitte der Fahrbahn, dieses Schlagloch, gross und tief wie ein Waschbecken. Ich habe nur eine Sekunde, vielleicht weniger, richte das Motorrad auf, haue die Bremsen rein, lasse sie sofort wieder los um die Federung frei zu geben und dann krachen wir in das Loch, vorne, hinten und es gibt einen gewaltigen Schlag und dann sind wir durch. Instinktiv bin ich aufgestanden, aber Sarah hat das Loch natuerlich nicht gesehen und ist sitzen geblieben und hat den vollen Stoss abbekommen. Ich halte an, bin nur noch wuetend, auf mich selbst, das ich es nicht geahnt habe, auf diese verdammte Strasse, die so gut war und ausgerechnet hier in der Mitte der Fahrbahn so ein Loch haben muss. Verdammt noch mal.

Die Maschine hat es weggesteckt, ich kann nichts feststellen, die Koffer sitzen wie gehabt, alle Speichen sind ok, das Federbein auch. Glueck gehabt. Erst viel spaeter am Abend wird mir klar, wieviel Glueck wir wirklich hatten. Die Federung hat den Stoss einfach so weggesteckt, weder Gabel noch Federbein sind durchgeschlagen. Aber das war bei aufrechtem Motorrad. Wenn das Loch in der Kurve gewesen waere, und wir es in Schraeglage erwischt haetten….das haette boese geendet.

Es wird dunkel und irgendwann ist es Nacht und wir der Ort mit dem Hotel, von dem uns die Easy Rider erzaehlt haben, ist nicht da wo er sein sollte. Selbst unser treues GPS, das bis jetzt immer wusste wo wir sind, ist hier draussen ratlos und gibt unsere Position im Nirgendwo an, findet weder eine Strasse noch einen Ort in unserer Naehe.

Hier draussen gibt es keine Strassenbeleuchtung, keine Markierungen, nichts. Nur ein paar Haueser links und rechts und dunkle Strassen. Ich halte an einem hell erleuchteten Haus an, dass sich als ein Fotostudio mit Wohnhaus herausstellt (ein Fotostudio? Hier draussen? Erst spaeter wird mir bewusst wie absurd das war. Aber es ist ein richtiges Studio und waehrend wir von der Dame des Hauses hineingebeten werden und versuchen, uns mit unserem Woerterbuch verstaendlich zu machen, macht ihr Ehemann ein paar Protraitfotos von zwei Teenagern.).

Es dauert dann noch etwas, aber die Dame des Hauses fuehrt uns schliesslich zwei Strassen weiter, zu einem Café, wo wir mit einem Mal wieder all die anderen Easy-Riders mit ihren Beifahrern, treffen. Wir sind also doch im richtigen Ort, und waehrend sie sich spaeter im Dorf in einem grossen Schlafsaal zurueckziehen, nehmen wir uns ein Zimmer im einzigen Hotel im Ort. Das man natuerlich im Dunkeln auch nie finden wuerde, wenn man nicht genau weiss wo es ist.


Km 5334 – Ho Chi Minh City - Dalat

Datum:  23 Maerz 2008  |  Von:  Robert  |  Stimmung: Genervt

Der Lonely Planet schwaermt von Dalat, es ist kuehl dort oben, in den Central Highlands, ruhiger, friedlicher und ueberhaupt total schoen. Den Weg dorthin zu finden ist allerdings gar nicht schoen.

Wenn es etwas in Vietnam gibt, was einen wahnsinnig werden laesst, dann ist es das komplette Nichtvorhandensein von irgendwelchen Hinweis- oder Ortsschildern. Trotz Karte, Kompass und GPS, ist es ein Alptraum aus Staedten herauszufinden. Und Ho Chi Minh ist richtig schlimm. Ohne jegliche Orientierungspunkte geht es nur wie auf See: eine Peilung nehmen und dieser folgen. In unserem Fall heisst das Nordosten. Anders als auf See kann man einen einmal eingeschlagenen Kurs aber nicht einfach so durchziehen da die Strassen oft abknicken, aufhoeren, in Sackgassen oder Kreisverkehren enden, die alle Himmelsrichtungen anbieten, nur nicht Nordosten.

Dazu kommt ein weiteres Phaenomen, das ich erst spaeter feststellen soll: das naemlich manche Strassen hier U-foermig gebogen sind, was bedeutet das man laut Kompass/ GPS zB anfaengt nach Norden zu fahren, wo man auch hinwill, und dann, fuenf Minuten spaeter, das GPS anzeigt das man jetzt froehlich nach Sueden faehrt. Das sind so Momente wo man denkt das entweder die linke Gehirnhaelfte oder das GPS kaputt sein muss da sich naemlich sonst, gefuehlsmaessig, nichts, gar nichts geaendert hat. Man ist doch nur geradeaus gefahren, nirgendwo abgebogen und die Strasse sah immer gleich aus. Ist man aber nicht und hat sie nicht. Gott, was hat mich das Nerven gekostet.

(Achja, und bitte keine falschen Gedanken: ich bin nicht zu stolz nach dem Weg zu fragen. War ich noch nie und hab ueberhaupt kein Problem damit, vor allem hier nicht wo ich nur raus will, aus der heissen und stinkigen Stadt. Das Problem ist das die Einheimischen auch keine Ahnung haben. Die meisten sprechen kein Englisch und auch sonst keine andere Sprache als Vietnamesich. Von denen die uns verstehen, weiss die Haelfte nicht wo die Orte liegen zu denen wir hinwollen. Und die, die uns verstehen und die den Namen schon mal gehoert haben, wissen nicht in welcher Richtung der Ort liegt. Oder einer in der Gruppe – man fragt nie jemanden alleine, es sind sofort fuenf andere zur Stelle, immer – zeigt nach links und ein anderer nach rechts. Hoffnungslos.)

Die Strasse in die Berge ist holprig und voller Flicken, aber immerhin Asphalt. Und voll mit Reisebussen und LKWs. Wir ueberholen andauernd und ich bin immer wieder aufs neue begeistert, wie muehelos die BMW auch am Berg an den Dieselstinkern vorbeizieht. Ihr scheint das Gewicht nichts auszumachen und bergab wirkt die Stahlflexleitung jedesmal Wunder, bremst die Fuhre sanft und mit praezisem Druckpunkt ein. Wenn doch nur die Sitzbank nicht so hart waere….

Ein maechtiges Gewitter stopt uns auf halbem Weg in den Bergen, wir fluechten in ein Café, schieben die BMW unter das Vordach und warten bis der Regen nachlaesst. Dalat empfaengt uns etwas spaeter im Dunst, feucht und kuehl und es fuehlt sich an, als wuerden wir in ein Skiresort rollen. Die Luft ist kalt und mehr durch Zufall finden wir ein sehr schoenes Hotel, das so auch irgendwo in der Schweiz stehen koennte. Gross und neu, mit warmen Holz und schoenen Zimmern. Und einer kochendheissen Dusche.


Km 5004 – Ho Chi Minh City -Cantho - Ho Chi Minh City

Datum:  17 - 22 Maerz 2008  |  Von:  Robert  |  Stimmung: Entspannt

Cantho ist nur 250km entfernt, im Mekong Delta gelegen, aber es ist so heiss und der Verkehr so dicht dass wir tatsaechlich erst um halb 4 da sind, genau rechtzeitig zu unserer Verabredung mit Trinh, meiner ehemaligen Mitbewohnerin aus Wellingtton, die hier an der Universitaet als Dozentin fuer Englisch arbeitet. Sie fuehrt uns an die Uferpromenade und wir nehmen ein Zimmer im zweitbesten Hotel der Stadt – gross, ziemlich runtergekommen, aber das Motorrad kann in der Lobby parken und wir haben Internet im Zimmer. Oder haetten, wenn unser Laptop nicht Probleme machen wuerde. Die ‘Original’ –Software die wir in Bangkok dazubekommen haben vertraegt sich nicht mit den Original-Windows-updates und seitdem laueft nix mehr so richtig.

Wir bleiben fast eine Woche, in der nicht viel passiert. Mit Trinh’s Hilfe hatte ich schon vor unserer Abreise mit der Law Faculty Cantho Kontakt aufgenommen und im Rahmen unseres Besuches angefragt, ob man an einer Praesentation meinerseits ueber das Neuseelaendische – und Deutsche Rechtssystem interessiert waere. Man war und es wird ein interessanter Nachmittag, bei dem wir viel ueber den Unterschied von Common – zu Civil Law diskutieren und die Lecturer spaeter unbedingt ein Foto von sich und unserer BMW haben wollen. Sarah schaut sich eines Morgens die ‘schwimmenden Maerkte’ an, steht um 4:30 Uhr auf und kommt um 8:30 Uhr wieder, mit hundert Fotos auf der Speicherkarte. Trinh bittet einen ihrer Freunde, ein Informatik-Student, sich unseren Laptop mal anzuschauen. Er empfiehlt uns alles neu zu formatieren und spielt uns ein neues Betriebssystem drauf. Leider gehen dabei saemtliche Driver verloren und wir haben kein Internet mehr. Und keinen sound. Es dauert dann noch bis Freitagnachmittag bis alles wieder laueft, diesmal mit Hilfe von ein paar Profis. 50000 Vietnam-Dong kostet das ganze, das sind $4 New Zealand.

Am Samstagmorgen brechen wir wieder auf, die Etappe zurueck nach Ho Chi Minh ist diesmal fast muehelos. Das Hotel im District 1, das wir reserviert hatten, ist Mist. Viel zu klein und die Lady an der Rezeption wird pampig als ich nach einem Parkplatz frage. Aber unser Hotel von letzter Woche hat noch Platz und so finden wir uns wieder an derselben Stelle an der wir vor einer Woche waren.

Und haben noch den ganzen langen Weg bis nach Hanoi vor uns.


Km 4534 – Ho Chi Minh City

Datum:  15 - 17 Maerz 2008  |  Von:  Robert  |  Stimmung: Entspannt

In Suedostasien gibt es mehr Motorroller als Menschen. Sie sind ueberall, an jeder Strassenecke, vor jedem Geschaeft, in jedem Hauseingang. Sie wuseln, brummen, zischen zu hunderten, ach tausenden, durch die Strassen, Tag und Nacht. Es gibt sie in allen Formen, allen Farben und allen Zustaenden – neu, alt, gebraucht, gepflegt, dreckig, kaput, elegant, ueberladen, schnell, langsam. Meistens sind sie nur mit zwei Personen besetzt, aber oft genug findet die ganze Familie auf ihnen Platz. Vater faehrt, dahinter Tochter, dahinter Mutter, und Sohnemann steht vor Vati auf dem Trittbrett und guckt ueber den Lenker. Sie sind universell, preiswert, anspruchslos, halten ewig und koennen ueberall repariert werden.

Wenn ich in frueheren Eintraegen von ‘workshops’ gesprochen habe, dann waren sie genau das: Roller-Werkstaetten, eine kleine, dunkle Garage, der Boden schwarz von altem Oel und Dreck, eine Handvoll zerlegter Roller daneben, ein Haufen Werkzeuge verstreut drumherum, zwei, drei Typen mit schwarzen Haenden und Zigarette am Schrauben. Hier in Vietnam nennen sie sich alle ‘Honda’, nicht weil alle Scooter von Honda sind (obwohl man den Eindruck hat). Sondern weil Honda tatsaechlich mal der einzige Rollerhersteller in Vietnam war und seitdem hat es sich eingebuergert, dass jeder Mechaniker der einen Roller reparieren kann (oder glaubt es zu koennen), sich einfach ‘Honda’ nennt. Honda = Mechaniker.

Die Moeglichkeiten, Gegenstaende, Menschen, Tiere, Sachen auf Rollern zu befoerdern, ist unendlich. Was wir nicht alles schon gesehen haben: Roller mit Schweinen auf der Rueckbank (links, rechts, und zwei uebereinander), mit einem Dutzend Huehnern, Gartenstuehlen, Tischen, Schraenken, mit einem kompletten Fahrrad (auf dem Kopf gehalten vom Beifahrer), mit 20 Autoreifen (am Lenker, auf der Rueckbank, links und rechts), mit Colakisten, mit 10 Eierkartons (!) als Turm auf der Rueckbank, Glasplatten (!), 50 Liter Wasserbottich, Sack Zement, zwei Sack Zement, Sack Reis, zwei, drei, vier Sack Reis, Muellsaecke (voll und soviele das man den Roller von hinten nicht mehr sah), Bonsai-Baueme, ganz Strauecher und Gebuesche so das man meinte der Wald haette heute Ausgang und faehrt spazieren, Leitern, viermal so lang wie der Roller, die einfach so hinterhergeschleift wurden, Leitungsrohre, Bambusbaueme.

Aber alles was ich denken kann, als wir am Freitagnachmittag zur Rush-hour in Ho Chin Minh City angkommen, ist: Nie im Leben koennen wir dieses Chaos ueberleben.

Was sich da vor uns, um uns herum abspielt, uebertrifft alles was wir bisher erlebt haben. Ein endloser Strom an Rollern breitet sich vor uns aus, verstopft alle Strassen, alle Winkel, schiebt, faehrt, hupt, brummt, knattert voran, umringt Autos, Fussgaenger, und natuerlich auch uns, die wir herausragen wie ein Wal in einem Meer voller Makrelen. Verkehrsregeln gibt es nicht mehr, man faehrt einfach – es ist die einzige Moeglichkeit zu ueberleben. Vergiss was links und rechts und hinter dir passiert – konzentrier dich nur auf die drei Meter vor dem Vorderrad. Und fahr. Weich aus. Stop. Fahr links, fahr rechts, schieb. Und irgendwie tun sich immer wieder Luecken auf, irgendwie geht es voran. Sogar im Kreisverkehr, der von aussen schlicht undurchdringbar aussieht. Aber wenn man langsam hineinfaehrt ergeben sich Luecken, fahren die Roller-Makrelen um einen herum, teilt sich das Meer als waeren wir Moses auf dem Motorrad. Unglaublich. Und es passiert nichts, wir ecken nirgendwo an, und niemand beruehrt uns auch nur ein bisschen, immer sind da noch zwei Zentimeter zwischen uns und dem naechsten Roller.

Es ist das verrueckteteste, faszinierendste und anstrengendste was ich je im Strassenverkehr durchgemacht habe. Nassgeschwitzt und voellig erschoepft kommen wir Stunden spaeter im District 1, dem Zentrum von Ho Chi Minh, an. Unser Hotel ist in einer kleinen Seitenstrasse, weg von all dem Laerm und andauernden Gehupe und Getoese, gottseidank. Und viel besser noch, die BMW findet einen Platz im Flur, vor dem Esstisch in der Kueche, zusammen mit den Rollern von den Angestellten. Und mit unserem treuen Pferd im Stall und sicher, geniessen eine herrliche Dusche und die angenehme Kuehle der Klimaanlage.


Km 4534 – Phnom Phen nach Ho Chi Minh (Vietnam)

Datum:  14 Maerz 2008  |  Von:  Robert  |  Stimmung: Entspannt

Bis jetzt ging es eigentlich nur bergab. Von einem Land zum anderen ein kleines bisschen. Der Verkehr wurde schlimmer, die Infrastruktur schlechter. Es wurde heisser und dreckiger. Und Kambodscha’s ist der Hoehepunkt – oder Tiefpunkt, je nachdem wie man es betrachtet. Hier werden alle Verkehrsregeln ignoriert, alle. Rote Ampeln werden nur widerwillig akzeptiert und auch nur, wenn die Kreuzung so voll ist, dass man wirklich nicht mehr durchkommt. Das wirklich gefaehrliche sind aber die Scooter oder Autos die von rechts oder links die Fahrbahn kreuzen. Egal ob Vorfahrt oder nicht (ohnehin ein sehr dehnbares Konzept hier unten), egal wieviel ob vierspurige Strasse oder nicht – sie ziehen einfach rein, im rechten Winkel, ohne zu gucken. Es ist nicht zu fassen.

Wir haben endlich den Brief von Cantho University bekommen, mit dem sie unsere Einladung bestaetigen und koennen los. Die Strecke runter zur Grenze nach Vietnam ist nahezu muehelos, wird nach kurzer Zeit zur riesigen Schnellstrasse mit kaum Verkehr und wir sind schon gegen Mittag da. Riesige, palastartige Gebauede, sauber, orderntlich, ueberall Klimaanlage. Keine Schlangen, alles leer.

Der freundliche Grenzbeamte in Kambodscha warnt uns. Vietnam hat in der Vergangenheit Reisende mit grossen Motorraedern, ueber 250ccm, nicht reingelassen. Er schlaegt daher vor, dass ich rueberfahren soll und anfragen ob wir reinkoennen. Sarah kann solange hier warten. Dann soll ich zurueckkommen und erst dann wird mein Pass abgestempelt. Hoert sich alles vernuenftig und logisch an. Vor allem, wenn Vietnam uns zurueckweist, brauchen wir dann kein neues Visum fuer Kambodscha zu kaufen.

Also fahre ich die 300 Meter rueber zum vietnamesichen Grenzgebauede, was auch riesengross, sauber und ordentlich ist. Spreche mit den Grenzbeamten. Erklaere. Grosses Motorrad, Kambodschae hat gesagt wir sollen fragen, was nun. Werde zu Customs geschickt. Erklaere. Dort weiss man von nichts und spricht kein Englisch. Eine sehr junge Beamtin erklaert mir schliesslich mit leiser Piepsstimme, das ich die Erlaubnis der Polizei brauche. Die sitzt in den Gebaueden nebenan. Also um die Ecke zur Polizei. Dort ist niemand. Nach 20 Minuten warten, fahre ich zurueck zum Grenzposten Kambodscha. Erklaere dass ‘sie’ Sarah sehen wollen. Ich will sie dabeihaben, alles ist hier verhandelbar und ein Laecheln einer Frau kann viel helfen. Er glaubt mir nicht so ganz, laesst uns aber ziehen, mit dem Versprechen das wir wiederkommen. Muessen wir ja eh zum Abstempeln fuer Pass und Carnet. Wieder zum vietnamesischen Polizeiposten. Endlich taucht jemand auf, aber bevor ich richtig zum Erklaeren komme, scheucht er uns weg, nuschelt was von ‘next building’. Da gehen wir hin. Warten. Niemand zu Hause.

Zurueck zu meiner Pieps-Lady. Erklaere das man uns wieder zurueck zu Customs geschickt hat. Sie ist irritiert, unsicher, und besteht darauf dass ich zur Polizei gehe. Ich soll zu einem anderen Gebauede gehen. Das versuche ich dann auch, gehe einmal rechts, einmal links aus dem Komplex raus. Werde beide Male von Grenzbeamten zurueckgepfiffen. Die schauen in meinen Pass. Der is nicht abgestempelt. Natuerlich nicht. Also schicken sie mich wieder zurueck, zum Eingang.

Jetzt hab ich genug von dem Theater. Wir fahren zurueck zum Kambodscha Grenzposten. Unser freundlicher Zoellner fragt gar nicht nach, geht davon aus dass alles ok ist als ich ihn bitte uns auszustempeln. Noch schnell das Carnet fertiggemacht, dann wieder zurueck. Wieder rein, zum Schalter, Pass abstempeln lassen, raus, um die Ecke, zurueck zum Motorrad.

So. Jetzt gilts. Nerven behalten. Langsam, ganz langsam tuckern wir mit dem Motorrad ueber die Grenze, an den Zoellnern vorbei, laecheln. Ich schaue mich um, suche noch kurz das Polizeigebauede von dem Piepsi gesprochen hat, kann aber nichts entdecken. Dann ist da der Schlagbaum, halboffen, der Grenzer kontrolliert gerade ein paar Mopeds, sieht uns, wir nicken, er dreht sich um und kuemmert sich um jemand anderen.

Und dann sind wir durch, niemand pfeift, niemand winkt, keiner kommt schreiend hinter uns hergelaufen. Eine perfekte, leer zweispurige Strasse empfaengt uns. Ich gebe Gas und wir lassen die Grenze hinter uns.

Wir sind in Vietnam.

Unglaublich.


Km 4034 – Siem Reap nach Phnom Phen

Datum:  7 Maerz 2008  |  Von:  Robert  |  Stimmung: Entspannt

In Siem Reap sind mehr Touristen als Einheimische und ueberall sind Hotels, Angkor Wat Dies, Angkor Wat Das. Jeder will die Tempel sehen, die groessten und maechtigsten religioesen Gebauede aller Zeiten, errichtet zwischen dem 9 und 13 Jahundert. Heerscharen von Mopeds, Bussen, Fahrraedern und remorque-moto (Moped mit Anhaenger) bringen Heerscharen von Neugierigen zu den Ruinen, jeden Tag, von morgens bis abends. Ja, die Tempel sind gross und die bauliche Leistung unglaublich. Aber nach einer Weile sieht eine Ruine wie die andere aus und die Hitze laesst einen schnell ermueden. Unser Guesthouse hat wireless-internet und da unser Laptop – unglaublich – die Strapazen der Ruettelpiste voellig problemlos ueberstanden hat, nutzen wir die Zeit fuer updates und emails.

Die Strasse nach Phnom Phen ist tadellos und es sind nur 300km. Ueber die zweispurige, voellig verstopfte Japanische Bruecke ins Zentrum, mit seinen weiten Boulevards und Avenues. Der franzoesische Einfluss ist unverkennbar und man erwartet jeden Moment, einen R5 mit Baguettes aus den Seitenfenstern vorbeifahren zu sehen. Stattdessen nur hunderte von Mopeds und rickshaws und erstaunlich viele Lexus- Landcruiser und Mercedes S-Klasse. Jedes Hotel, jeder Supermarkt, Bar, Restaurant hat Security Guards vor der Tuer stehen und der Lonely Planet warnt davor, nachts alleine spazieren zu gehen. Mit dem Motorrad sorgen wir fuer Menschenauflauefe wo immer wir auch anhalten. Offenes Starren, sprachloses Staunen. Ueberall.

Wir fahren ein paar Hotels an, checken im Internet ob irgendwelche Guesthaueser verfuegbar sind, aber die sind fuer heute, Freitag, ausgebucht. Als wir uns fuer ein Hotel entschieden haben und hinfahren wollen, biege ich falsch ab und dann haengen wir in einer Seitenstrasse fest, im Stau. Nichts geht mehr. Nassgeschwitzt halten wir an einem kleinen Guesthouse an, warten fast eine Stunde bis der Verkehr sich etwas beruhigt. Wir haben bestimmt 40 Minuten im Stau gesteckt und gedacht zig Km zurueckgelegt zu haben. Jetzt, zurueck zu der Kreuzung wo wir falsch abgebogen sind, brauchen wir 5 Minuten – sie ist vielleicht 1 km entfernt.

Unser Hotel ist direkt an einer der Hauptstrassen und auch noch an einer der Hauptkreuzungen. Parkplatz vorm Haupteingang, wo jeder das Motorrad sehen kann. Hab kein gutes Gefuehl dabei, ueberhaupt nicht. Der Security ist nett und lacht, ebenso der Portier. Alles kein Problem. Aber wir haben das Gepaeck noch nicht mal ganz im Aufzug drin, da geht die Alarmanlage schon los. Sie koennen es nicht lassen, irgendwer muss immer an der Maschine rumspielen.

Wir bleiben zwei Naechte und wechseln dann in ein kleineres Guesthouse, in einem ruhigen Wohnviertel. Preiswerter, viel gemuetlicher, aber kein wireless mehr. Naja, wir koennen nicht alles haben. Die freundliche Belegschaft organisiert unsere Vietnam Visa innerhalb von 1 Tag, jetzt brauchen wir nur noch eine Bestaetigung von der Universitaet in Cantho die uns eingeladen hat fuer naechste Woche. Trotz langer email Korrespondenz ueber die letzten Monate, ist das aber nicht so einfach und wir muessen hin und her schreiben.

Besuch im Tuol Sleng Museum, dem frueheren geheimen Foltergefaengnis der Khmer Rouge, die zwischen 1975 – 1979 eine der furchtbarsten Diktaturen der juengeren Geschichte in Kambodscha errichteten. Hundertausende verschwanden, zwei Millionen, so schaetzt man, wurden getoetet. Die dargestellten Grausamkeiten uebersteigen das Fassungsvermoegen. Wie die Inquisition im Mittelalter bieten sie einen Blick in die Abgruende der Menschheit. Das Museum zeigt eine franzoesische Dokumentation, die mit einer Begegnung zwischen einem der wenigen Ueberlebenden und einem Waerter endet. Der Waerter ist klein, schmaechtig, und erzaehlt wie er Leute hingerichtet und gefoltert hat. Wie er zugesehen hat. Wie er Befehlen gehorcht hat. Dabei laechelt er viel und es ist kein boeses, kein schamhaftes, kein trauriges Laecheln, sondern nur ein hoefliches, unbeteiligtes Laecheln. Ohne die Untertitel koennte er auch ueber seine Arbeit auf dem Feld sprechen. Oder seine Familie. Das Gesicht des Boesen ist nicht herausragend, nicht haesslich, nicht schoen, nichts besonderes. Das Gesicht des Boesen faellt nicht auf. Und das ist das eigentlich furchtbare daran.


Km 3754 – Aranyaprathet nach Sieam Reap (Cambodia)

Datum:  2 Maerz 2008  |  Von:  Robert  |  Stimmung: Ko

Der borderpost in Thailand kennt sich mit dem Carnet nicht aus. Waehrend wir warten bis sein supervisor sein ok gegeben hat, beobachten wir den Strom der Menschen die an uns vorbei ziehen, nach Cambodia. Mit Fahrraedern, Kutschen mit Holzraedern, die sie selbst ziehen oder schieben. Kinder in Lumpen. Ochskarren beladen mit Heu und Geruempel. Und vorne dran schmaechtige Figuren die das Ding muehsam voran ziehen. Sie alle starren uns an als waeren wir Ausserirdische. Und irgendwie sind wir das auch, Besucher aus einer anderen Welt, die zurueckstarren und nicht glauben koennen was sie sehen.

Kambodscha, Poi Pet, was fuer ein Drecksloch. Versifft, heiss, stinkig. Und alle sind korrupt, die schmierigen Visa-Dealer, die Polizisten, die Grenzer. Als wir nach Visa fragen, schicken uns die Polizisten zu dem kleinen office mit dem geleckten Typen davor, der zuerst 50USD fuer unsere Visa haben will. Wir deuten auf das Schild das klar sagt das Visa nur 20USD kosten. Altes Schild, war gestern, jetzt neuer Preis. Aber weil wir es sind: 30USD. Jetzt. In 5 Minuten werden es 35 sein. Uups, jetzt sind es schon 31 USD.

Ich nicke nur, schaue mich um, ignoriere ihn. Das macht sie immer unsicher. Dann sage ich dass wir nur 20 USD haben. Mehr ist nicht. Und das wir wieder nach Thailand gehen, wir haben es nicht eilig. Der Preis faelllt.

Sarah glaubt das er nur blufft und gar keine richtigen Visa verkauft. Wir fahren weiter, nach zweihundert Metern kommt die eigentliche Grenze. Ein weiterer Komiker, dismal in Uniform, erklaert uns das wir Visa bekommen koennen, fuer USD 25. Aha. Aber er will Baht sehen, keine USD. Und gegenueber wuerde man Geld wechseln, in dem kleinen Shop. Von dem er natuerlich seinen Anteil kriegt. Achja, und natuerlich wird es teurer je laenger wir warten.

Wir beratschlagen. 25USD ist ok, eigentlich. Offiziell kostet das Visa 20USD, wir haetten es besser vorher organisiert, zu spaet jetzt. 10 Dollar mehr ist aber ok, also gehe ich rueber zu dem Shop, zum Geld wechseln. Aber dort will man mir einen Kurs von 1:3 geben, was bedeutet wir wuerden 40USD per Visa bezahlen. Zurueck. Sage dem Grenzer das der Kurs zu schlecht ist, das machen wir nicht mit, eher gehen wir zurueck. Er sieht sein Geld davonschwimmen und sagt uns, wir sollen zurueck, zu dem ersten Komiker gehen. Schwingt sich auf sein Moped und faehrt los, ohne Frage auf dem Weg zu ihm um seinen Anteil auszuhandeln. Wir hinterher und fuer 25USD bekommen wir dann unsere Visa. Endlich.

Das Carnet abzustempeln danach ist dagegen die reinste Erholung. Kein Gefeilsche, Stempel, Unterschrift, fertig.

Und dann gehen wir auf die Piste, 150km bis Sieam Reap, es ist 11 Uhr morgens. Chris hatte uns schon gewarnt, aber was dann kommt, ist wirklich uebel. Loecher, Bodenwellen, Wellblech, Sand, Matsch, Lehm, Steine, Schotter. Es ist alles da und wechselt sich ab, andauernd. Das schlimmste sind die Bauarbeiten zwischendurch, wenn die riesigen Bagger den Lehm zusammenschieben. Wenn vorne der Sprenkler-Truck faehrt und die Strasse nass macht, damit es nicht so staubt. Ein paar Mal passiert uns das und die Strasse wird sofort wie Seife. Der klumpige, rote Lehm setzt in sekundenschnelle die Reifen zu und ich kann gerade noch einen Sturz verhindern.

Dann sind da die trockenen Passagen, mit Schotter und Sand. Ich fahre ganz rechts (ja, rechts – mir faellt erst am naechsten Tag auf das Cambodia Rechtsverkehr hat) und langsam, versuche Loechern und Wellblech auszuweichen. Der restliche Verkehr versucht das nicht. Autos, Gelaendewagen, LKWs, alle rasen mit Hoechstgeschwindigkeit an uns vorbei, krachen in die Loecher, gross wie Waschkoerbe, decken uns mit Staubwolken zu dass wir fuer einige Sekunden voellig blind sind. Und oft dann auch Loecher uebersehen und reinknallen. Ich habe Staub in den Augen, im Mund, ueberall. Der Helm knirscht beim oeffnen und laesst sich nicht mehr richtig schliessen. Wir machen so 20km in der Stunde und die Piste wird immer schlimmer. Das Wellblech ist ueberall, sobald ich etwas ueber Schritttempo beschleunge schuettelt sich das ganze Motorrad als wuerde es gleich auseinanderfallen. Keine Chance. Wellblech kann man nur meistern wenn man beschleunigt, je nachdem wie schlimm es ist, auf 60, vielleicht sogar 80km/h. Irgendwann hat man die richtige Geschwindigkeit und die Schuettelei hoert auf. Aber das wage ich nicht, wenn ich ein Loch bei der Geschwindigkeit uebersehe ist die Reise zu Ende.

Und dann, endlich, es wird schon daemmerig, kommt der Asphalt wieder. Buckelig zwar, voll mit Loechern, aber es ist Asphalt. Gott, ist das schoen. Im warmen Abendlicht rollen wir in Sieam Reap ein, finden ein kleines, gemuetliches Guesthouse, in dem ich das Motorrad direct vor der Rezeption parken darf. Es ist 18 Uhr. Sieben Stunden fuer 150km. Und so sehen wir auch aus.


Km 3554 – Bangkok nach Aranyaprathet

Datum:  1 Maerz 2008  |  Von:  Robert  |  Stimmung: Positiv

Ruhetage fuehlen sich an wie der Tag nach einem harten Wettkampf, Radrennen, oder workout. Der Koerper ist steif, Beine und Arme bleischwer. Man denkt langsamer, gehen und sitzen strengt an und es faellt schwer Entschluesse zu fassen, ueberhaupt irgendwas zu tun. Ich weiss von den Fotos, dass wir etwas unternommen haben, weiss dass wir in Pantip, dem riesigen Electronic-Zentrum waren, das so aussieht wie ein Mediamarkt auf Speed, und einen brandneuen Compaq Laptop gekauft haben. Mit Software, die man in Deutschland privat nicht bezahlen kann, und die ein paar Kids auf der gleichen Etage draufspielten, fuer ein paar Dollar. Jeder weiss, was hier laueft, keinen kuemmerts. An einem Morgen habe ich auch das Motorrad gewaschen und der Security Guard hat mir begeistert geholfen. Und dann ist schon wieder der Abreisetag und ich sitze in dem klimatisierten Fruehstueckssaal, schaue nach draussen wo es langsam hell wird und habe weiche Knie, wenn ich an das denke was uns erwartet. Die sengende Hitze, der wahnsinnige Verkehr, das Chaos. Und die vielen Kilometer die wir heute schaffen muessen.

Wir machen Fotos in der Khao San Road, der beruehmtesten Backpacker-Meile von Bangkok, die aussieht wie ein Filmset, so surreal wirken all die Shops, Bars, Internet Cafes, Massageparlours, Kitsch- und Souvenirlaeden, in denen hunderte, ach tausende, von Backpackern und Touristen rumlaufen. Ein Australier spricht uns an. Chris ist auf einer R80 G/S unterwegs, von Darwin nach London. Und seine BMW ging gestern nach Bangladesch. Wir setzen uns in ein Café und quatschen. Er hat Cambodia und Laos gerade hinter sich, warnt vor einigen Strassen, beruhigt vor anderen. Tut gut endlich mal einen anderen Motorrad-Reisenden zu treffen. Wir verabschieden uns und hoffen, uns in Indien oder Pakistan wiederzusehen.

Wir versuchen fuer eine halbe Stunde, eine Strasse raus aus Bangkok zu finden, irgendeine, Richtung Autobahn. Aussichtslos. Also setzt sich Sarah wieder in ein Taxi und wir fahren nach Norden. Aber es dauert noch eine ganze Weile, bis wir endlich den Highway zur Grenze nach Cambodia gefunden haben.

Irgendwie ist heute alles nicht so schlimm, die Hitze nicht so quaelend, die Strassen nicht so voll. Wieder mal abends als wir in Aranyaprahtet ankommen. Das Hotel ist in einer ruhigen Seitenstrasse und fast leer. Der letzte Abend in Thailand, das ging alles viel zu schnell. Aber irgendwas treibt mich voran, ich bin unruhig, will weiterkommen. Komisch.


Km 3054 – Chumpron nach Bangkok

Datum:  27 February 2008  |  Von:  Robert  |  Stimmung: Erschöpft

Wakeup call um 5:30 Uhr. Fuehle mich wie geraedert. Wir sind die einzigen Gaeste im Speisesaal, es ist noch stockdunkel draussen. Tanken und an der Stadtgrenze faengt es an zu regnen. Nein, es giesst, schuettet, die Sicht ist null und ich uebersehe die Abbiegung zum Highway nach Bangkok, fahre 20km in die falsche Richtung. Der Regen verfolgt uns, zwingt uns zu einigen Stopps, bevor er verschwindet und die Hitze zurueckkehrt, trocken und staubig. Aber lieber Hitze und trockene Strassen als Regen und Seife unter den Raedern. Die Autobahn nach Bangkok ist vierspurig und schnell. Viel zu schnell. Ueberholt wird links, rechts und dazwischen. Und immer wieder scheren andere ein, von rechts, im Schrittempo, einfach so. Du must fuer vier, fuenf Fahrzeuge gleichzeitig denken – dein eigenes, das vor dir, hinter dir, links vorne, rechts vorne und das was vielleicht gleich von rechts kommt und den Kollegen vor dir zur Vollbremsung zwingt. Je naeher wir Bangkok kommen, desto mehr Verkehr, desto langsamer werden wir. Gottseidank. An der ersten Mautstelle stoppt uns die Polizei. Motorraeder duerfen hier nicht weiter. Sarah redet mit dem Polizisten in Thai, erklaert. Er schlaegt vor, das wir uns ein Taxi nehmen sollen, dass uns zum Hotel fuehrt. Das hatten wir eh vor.

Was sich so einfach anhoert, wird dann ein richtiger Alptraum. Sarah winkt ein Taxi heran und faehrt los. Und wie. Im dichten Feierabendverkehr gibt der Fahrer alles, beschleunigt auf 90km/h zur naechsten Kreuzung, Vollbremsung, Spurwechsel, stoppt. Anfahren, rechts rueber, Vollgas, 80km/h, links, rechts, wie auf der Carrerabahn wird den Hindernissfahrzeugen ausgewichen, und punktgenau in irgendeine Luecke reingebremst. Wenn ich es nicht besser wuesste, wuerde ich sagen er versucht mich abzuhaengen.

Dann stecken wir fest, drei, vierspurige Strassen, voll, nichts geht mehr. Stillstand, man sieht nicht mal mehr die Ampeln. Die Hitze wird unertraeglich, jetzt wo kein Fahrtwind auch nur etwas Kuehlung bringt. Der Schweiss laueft mir in Baechen den Ruecken runter, meine Fuesse in den dicken Boots sind nass, meine Hose auch. Ich wusste nicht dass ich am Ende eines Tages noch so viel schwitzen kann. Eine Stunde vergeht, zwei Stunden. Und wir sind immer noch nicht da.

Dann haelt unser Fahrer an und fragt einen Kollegen im anderen Taxi. Faehrt weiter. Haelt wieder an. Fragt. Faehrt, dreht, faehrt zurueck. Wir sind seit fast 3 Stunden unterwegs und unser Fahrer hat keine Ahnung wo unser Hotel ist.

Als er zum vierten Mal anhaelt und einen Motorcycletaxi-Driver fragt, platze ich. Erschoepft, klitschnass geschwitzt und ausgelaugt, werde ich laut, mache ihm klar das er nicht einen Cent bekommt wenn er uns nicht in der naechsten halben Stunde zum Hotel bringt. Ich weiss dass es hier um loss of face geht, das er nicht zugeben kann, dass er keine Ahnung hat, das mein Verhalten sehr unhoeflich und beleidigend ist. Weiss ich alles. Ist mir aber egal, ich kann nicht mehr.

Die Passanten die unsere Szene beobachtet haben, reden mit dem Fahrer, versichern mir, dass sie ihm erklaert haben wo das Hotel ist. Wir sind anscheinend ganz dicht dran, den Bezirk hat er gefunden, nur mit der Strasse haperts.

Zufall oder nicht, 15 Minuten spaeter sind wir da, eine ruhige Seitenstrasse, ein grosses Hotel, Parkplatz direkt am Eingang, security guards. Gott sei Dank. Das Zimmer ist auch schoen, die Dusche stark. Und beim Auspacken stelle ich fest, das meine Panasonic nass geworden ist. Und der LonelyPlanet und das BMW- Reparaturhandbuch sind ebenfalls durchweicht, obwohl in Plastiktueten eingewickelt. Auch das noch.


Km 2580 – Phuket nach Chumpron

Datum:  26 February 2008  |  Von:  Robert  |  Stimmung: Erschöpft

Wake-up call um 5:30 Uhr. Im Dunkeln aufstehen, duschen, packen. Fruehstuecken, Zaehne putzen, Gepaeck in die Lobby schaffen. Zahlen. Motorrad vor den Eingang rollen. Aufladen. Wir sind mittlerweile geuebt, ich mache die schweren Koffer dran, Sarah zurrt sie fest. Waehrend ich die die Gepaeckrolle und das Stativ auf dem Gepaecktraeger verzurre, kuemmert sich Sarah um den Tankrucksack. Grundplatte, Oberteil, Seitentaschen. GPS zum Schluss. Klamotten an, kurzer Check, alles verstaut, Moneybelt, Portemonnaie, alles da? Lets get out of here.

Leere Strassen, aber die Hitze ist schon spuerbar. Es dauert etwas bis wir die richtige Strasse nach Norden gefunden haben. Es geht nur geradeaus und es ist einer von diesen Tagen, an denen wir vorankommen. Gute Strassen, aber sehr heiss heute. Zwei Deutsche auf Africa Twin und Super Tenere kommen uns entgegen. Haben die Maschinen auf Koi Samui gemietet und machen eine Woche Thailand. Kaum Gepaeck und keine Probleme. So mache ich das auch das naechste Mal.

Es daemmert als wir in Chumpron, der Hafenstadt am Golf von Thailand, einrollen. Breite Strassen, kaum Verkehr, und das riesige Hotel im Zentrum sieht aus als waer es aus der DDR importiert. Die Farbe blaettert, die Saele sind gross und leer und erzaehlen vom Glanz vergangener Tage. Wir wandern durch die Stadt und die Gedanken sind schon bei der naechsten Etappe, morgen geht es nach Bangkok.


Km 2150 – Krabi nach Phuket

Datum:  24-25 February 2008  |  Von:  Robert  |  Stimmung: Ok

Und ich dachte Krabi ist touristisch.

Wir entscheiden uns spontan, es geht rechts nach Bangkok, doch noch links, nach Phuket zu fahren. Kurz nachdem wir die Bruecke ueberquert und den ersten richtig blauen Himmel seit Tagen gesehen haben, faengt es an zu regnen. Die Strasse ist schmierig und es fuehlt sich an wie auf Glatteis. Wir halten an einer Tankstelle, warten. Eines von diesen unzaehligen Mopeds mit Seitenwagen tuckert vorbei, beladen mit bestimmt 10, 12 Korbstuehlen, drei Meter hoch. Den Fahrer sieht man gar nicht mehr. Unglaublich. Wir fahren ihm nach, ueberholen, fallen wieder zurueck, um ein paar gute Fotos zu bekommen. Er muss uns fuer verrueckt halten.

Wie ueberall in Thailand gibt es auch auf Phuket keine Schilder. Orientierung ist Zufall, am besten folgt man der breitesten Strasse und der Sonne und hofft auf irgendeinen Hinweis, wo man gerade ist. Das GPS hilft auch nicht viel, die kleinen Orte kennt es nicht, sagt uns nur das wir nach Sueden fahren. Steile, pass-aehnliche Strassen fuehren ueber die Berge runter nach Patpong. Zweiter Gang bergauf. Hier im Regen rauf oder runter, unmoeglich. Der blaue Himmel kommt wieder, zoegerlich, aber der Dunst ist immer noch da, als wir an einem der Straende anhalten. Alles voll mit Touristen, sie sind ueberall und die Sonnenschirme gehen in die Hunderte. Es sieht aus wie auf Ibiza. Oder Mallorca. Oder wie sonstwo auf der Welt wo Resorts die Kueste uebernommen haben. Krabi ist dagegen ruhig und relaxt, fast schon ein Geheimtipp. Wir fahren weiter, machen eine Rundtour um die Insel, stoppen hier und da fuer Fotos. Es daemmert, als wir wieder Richtung Patpong fahren, um uns eine Unterkunft fuer die Nacht zu suchen.

Und dann faengt es wieder an zu regnen. Und hoert nicht mehr auf. Und wir muessen wieder ueber die Berge, um nach Patpong zu kommen. Im Dunkeln, im Regen, mit Autos und Mopeds von vorne und hinten, kriechen wir die Strassen rauf und runter. Bloss nicht bremsen, nur keine Fehler jetzt. Erster Gang, zweiter Gang, ganz links entlang, Motorbremse bergab. Endlich in Patpong, durch die verstopften Strassen, links und rechts schreiende Neonreklamen wie in Las Vegas, ueberall Menschen, Gehupe, Gewimmel. Die ersten Hotels sind zu teuer, es dauert ewig bis ich einen Weg weg von der Promenade finde. Der Regen wird immer staerker, das naechste Hotel ist ewig weit weg. Wir drehen um. Durch Zufall, wie so oft, finden wir eine Seitenstrasse, ein ordentliches Hotel, unsere Preisklasse, mit carport und security guard. Wir sind nass, dreckig,verschwitzt, erschoepft. Wieso enden Tage, die entspannt anfangen, immer so?


Km 1900 - Kuala Lumpur nach Krabi (Thailand)

Datum:  19-24 February 2008  |  Von:  Robert  |  Stimmung: Erschöpft

Es ist so heiss, es wird noch nicht mal nachts kuehler. Wir packen Kamera und Stativ aufs Motorrad, machen Photoshooting in der Stadt. Gar nicht so einfach - KL's Einbahnstrassen System ist mehr so ein Labyrinth des Minotaurus und immer wenn man glaubt, endlich da zu sein, macht die Strasse einen Knick und schon ist man wieder auf einem Autobahnzubringer ins Nirgendwo. Irgendwann reicht es mir und ich fahre ueber Buergersteige, rote Ampeln und entgegen der Fahrtrichtung, damit wir endlich ein paar Fotos von der alten Railwaystation machen koennen.

Fotos von den Petronas Towers sind auch schwierig, da schlichtweg zu hoch. Imposant und riesig steht man vor ihnen, Kopf in den Nacken, da hilft nur ein fisheye-Objektiv, was wir nicht haben.

Wie durch ein Wunder finden wir am naechsten Tag muehelos die Autobahn nach Norden. Es wird ein fast mueheloser Tag. Malaysia's Autobahnen sind so gut wie in Deutschland, perfekter Belag, Rastplaetze, schnurgerade. Es ist auch nicht viel Verkehr. Habe mich auch schon dran gewoehnt dass Malaysia's Autofahrer immer bis auf 2cm auffahren um mitzuteilen dass sie vorbeiwollen und so machen wir gut Kilometer, ueber 500 werden am Abend auf dem Tacho stehen.

Es sind nur noch 20km bis zur thailaendischen Grenze und schwierig ein Hotel zu finden. Die die wir ansteuern haben entweder keinen Parkplatz oder sind schlicht zu teuer. Als wir schon fast aufgeben und in den naechsten Ort zurueckfahren wollen, taucht dieses kleine Hotel in einer Nebenstrasse auf. Nur RM50 fuers Doppelzimmer, das sind umgerechnet vielleicht 10EURO. Betten sind gross, Bad sauber, Motorrad kann vor der Rezeption geparkt werden. Wir sind in einer Gegend wo nicht oft Menschen mit heller Hautfarbe absteigen und werden mit Blicken verfolgt, wohin wir auch gehen. Das Motorrad ist auch viel zu auffaellig, zweimal in der Nacht geht die Alarmanlage los. Zuerst ein paar Kinder, die dran rumspielen und erschreckt verschwinden, dann der Hotelwaechter ('only watching, only watching, sorry'). Kriege nicht viel Schlaf in dieser Nacht.

Grenztag, wir gehen rueber nach Thailand. Keine Probleme, aber wir sind zu spaet dran, es ist nach 12 bis wir drueben sind. Die Hitze ist einfach unertraeglich, dazu kommt dass es keine Umgehungsstrassen gibt. Fuer 50km bis zum naechsten Ort brauchen wir fast 90min. Immer wieder Ampeln, immer wieder bremsen. Tanken, Geld wechseln, dann versuchen wir ewig einen Weg aus der Stadt zu finden. Alles sieht gleich aus, keine Schilder. Schliesslich einfach raus, in die falsche Richtung, dann drehen und endlich auf dem richtigen Weg, nach Phuket. Die Strassen werden besser und wir finden endlich unseren Rhythmus.

In einer schattigen, kurvigen Dschungelstrecke, schmiert die Maschine dann ploetzlich bergab beim Ueberholen weg. Das Heck schlingert wie wild, aber wie durch ein Wunder stabilisiert sie sich wieder und wir kommen heile um die Kurve. Einen Kilometer weiter ueberholen wir die Ursache: einen uralten, stinkigen LKW, der hinten Diesel verliert als ob er die Strasse damit ueberschwemmen will. Dauert eine Weile bis mein Herzschlag wieder normal ist. Das war knapp.

Es daemmert und es sind noch 80km bis Krabi. Ich lasse die BMW rennen, mit ein paar zusaetzlichen Klicks an der hydraulischen Vorspannung pariert sie jetzt auch Querfugen und Buckel gelassen und liegt auch mit 100km/h noch ruhig. Aber ich kann nicht mehr ruhig sitzen, mein Hintern schmerzt das mir fast das Wasser in den Augen steht.

Es ist stockdunkel als wir endlich in Krabi ankommen. Nachts zu fahren ist kein Spass. Von hinten und vorne wird geblendet, und die Scooter sind ueberall, vorne, hinten, an der Seite, kommen einem entgegen oder stehen einfach irgendwo rum. Durch Zufall stolpern wir ueber das riesige Hotel auf dem Berg, weg von der Hauptstrasse. Viel zu teuer, wir fragen trotzdem nach. 1000 Baht fuers Doppelzimmer, mit Fruehstueck. 15 Euro. Und Parkplatz mit Security Guard.

Was fuer eine Belohung nach diesem Ritt.


Km 968 - Cherating - Kuala Lumpur

Datum:  18 Februar 2008  |  Von:  Robert  |  Stimmung: Entspannt

Wieder mal frueh raus. Morgens ist es herrlich zu fahren, angenehm kuehl und die Strassen sind leer. Wir fahren ueber leere, vierspurige Autobahnen und das Motorrad fuehlt sich viel besser an. Schwingt immer noch nach, aber viel kontrolierter, viel sicherer. Wir halten in Karak, Mittagspause bis 14 Uhr, es ist zu heiss. Eine Stunde spaeter sind wir schon in Kuala Lumpur. Die Skyline im Smogdunst, klar stehen die 458 Meter hohen Petronas Towers hervor. Die Touristinfo im World Trade Centre ist nicht sehr hilfsbereit, aber immerhin bekommen wir einen Stadtplan. Wir fahren ein paar Hotels und Backpacker ab, aber keiner hat einen Parkplatz. Es dauert noch zwei Stunden bevor wir ein Hotel finden, zufaellig, nicht weit weg vom World Trade Centre, wo wir gestartet sind. Parkplazt direkt vor der Rezeption, alles sieht sehr ordentlich aus und das Bad koennte auch in einem deutschen Hotel sein. Die Dusche ist stark und heiss, ich koennte fast darunter einschlafen.


Km 567 - Mersing nach Cherating

Datum:  16-17 Februar 2008  |  Von:  Robert  |  Stimmung: Optimistisch

Wir packen und gehen alle zusammen am naechsten Morgen.

Langes, gemuetliches Fruehstueck in der Stadt, bevor wir gegen 12 uns auf den Weg nach Norden machen. Ein glatzkoepfiger Deutscher am Nachbartisch empoert sich ueber uns, findet unser Auftreten mit Motorrad beschaemend. Wieder so jemand der denkt nur weil er ein paar Monate an einem Ort rumhaengt, besser zu sein als alle anderen und die locals vor den boesen Touristen schuetzen zu muessen. Wir lachen ihn aus, was ihn zu noch mehr indignierten Kopfschuetteln veranlasst.

Wir machen gut Kilometer und kommen abends in Cherating, einem verschlafenen Nest an der Kueste an. Ein grosszuegiges Beach-Resort direkt am Strand, unter grossen schattigen Bauemen stehen kleine, nette Holzhuetten mit Veranda. Innendrin ist es sauber, Klimaanlage und Bad ist auch dabei. Wir buchen fuer zwei Naechte und machen wenig. Ein Besuch im naechsten Ort und ein weiterer Workshop, in dem ich das Federbein ausbaue und die Feder auf 2/3 vorspanne. Das Motorrad ist jetzt noch mal zwei Zentimeter hoeher, ich komme so gerade noch mit den Fuessen auf den Boden. Nur mit Sarah und mir, ohne Gepaeck, bewegt sich die Federung jetzt gar nicht mehr. Mal sehen wie das mit voller Beladung aussieht.


km 345 - Kluan nach Mersing

Datum:  15 Februar 2008  |  Von:  Robert  |  Stimmung: Entspannt

Eigentlich brauechte ich hier nicht die Wahrheit zu sagen. Eigentlicht koennte ich sagen, dass wir quer durch den Dschungel gefahren sind, offroad, so richtig wie man es erwartet, Staubfontaene, Sand, Schlagloecher. Und dass wir ordentlich gestuerzt sind, aber nix passiert ist und wir nassgeschwitzt und happy abends im Hotel angekommen sind.

So war es aber leider nicht.

Denn eigentlich wollten wir nur ein paar nette Fotos machen, auf einem dieser Dschungel-Pfade, die links und rechts von der Hauptstrasse abgehen. Und so sind wir da reingetuckert und als ich vorsichtig, ganz vorsichtig, versuche zu wenden, schmiert das Hinterrad weg und schon gehen wir zu Boden. Die Maschine auf dem linken Zylinder und der Motor lief noch. Werfe mich sofort rum und haue den Killschalter rein. Dann abladen, Motorrad aufrichten, wieder aufladen. Nichts passiert, Krazter am Helm und am Sturzbuegel, aber nichts gebrochen oder verbogen. Als ich den Motor wieder anlasse, stehe ich in einer blauen Wolke. Und die wird immer schlimmer und groesser. Wir tuckern in einer Wolke von Qualm zur Hauptstrasse und als ich dann versuche zu beschleunigen, geht nichts. Der Motor stottert und wuergt und wir blasen immer mehr Qualm raus.

Alles was ich denken kann ist die Maschine am Boden mit dem laufenden Motor. Rechter Zylinder ueberhitzt, kein Oel, Kolbenringe hin, Kompression weg, keine Leistung mehr. Die Reise ist zu Ende bevor sie ueberhaupt angefangen hat.

Hundert Meter weiter, mitten im Dschungel, auf der rechten Seite, sind zwei Wellblechhuetten. Eine mit einem MotorcycleWorkshop, die andere mit einer Art Restaurant. Wir halten an, setzen uns, trinken eine Cola. Was nun?

Ich lasse die Maschine wieder an. Immer noch Qualm, aber viel weniger. Motor klingt voellig gesund. Dreht frei hoch. Oel ist immer noch am Maximum, wie heute morgen als ich es kontrolliert hatte. Mhm. Fahre ein paar Meter. Kann nicht beschleunigen. Kontroliere die Vergaserschwimmerkammern. Beide funktionieren. Benzinhaehne sind frei. Tankentlueftung ist ok. Fahre ein paar Meter. Kann nicht beschleunigen. Ich kapiers nicht. Der Motor scheint ok. Hat sich die Schwimmernadel verklemmt? Muss ich den Vergaser aufmachen?

Die drei, vier Jungs von dem Workshop,vielleicht 14, 15 Jahre alt, haben mitgekriegt dass die beiden Fremden mit dem gelben Motorrad ein Problem haben. Der kleine im roten T-Shirt spricht kein Englisch, aber er kennt sich aus. Zeigt auf die Zuendkerzen, dreht sie raus, kontrolliert Zuendfunken. Zieht Benzinschlauch ab und checkt die Leitungen. Guckt sich den Vergaser an. Und dann bedeutet er mir den Luftfilter auszubauen. Blaest ihn mit Pressluft aus. Und danach ist alles ok, die Maschine laueft als waer nichts gewesen. Bin baff. Hab dem Filter noch nicht mal angesehen, dass er voll mit Benzin war. Sowas. Wir packen wieder alles auf und bevor der kleine auf seinem Moped knatternd davon duest, gebe ich ihm RM20. Er strahlt ueber beide verdreckte Backen.

Es ist spaet geworden, wir schaffen es noch gerade bis Mersing, ein kleines Fischerdorf. Etliche Hotels, aber nur die teueren haben einen Parkplatz fuers Motorrad. Wir entscheiden uns fuer ein kleines Guesthouse am Strand. Ein bekiffter Typ, der weder gerade gucken noch vernuenftig reden kann, lallt erst, das nichts mehr frei ist, dann koennen wir doch noch rein. Spaeter muss ich ihn von der BMW verscheuchen, auf der er sich zum Schlafen ausgestreckt hat. Kleine, einzelne Huetten, auf Stelzen, praktisch direkt am Wasser. Sehr romantisch, aber die Duschen und Toiletten sind so versifft das sie praktisch unbenutzbar sind. In der Huette direkt neben uns sind Peter und Susan und wir kommen ins Gespraech. Peter ist Businness-Professor aus Darwin, Australien, und lehrt seit 10 Jahren ueberall in Suedostasien. Zur Zeit lebt er in China. Ist Motorradfahrer und eine wahre Quelle von Informationen wie man in Asien ueber welche Grenzen kommt. Er erzaehlt uns von Vietnam und Myanmar und China und das alles moeglich ist, dass er Leute kennt die erst kuerzlich durchgefahren sind, alleine, ohne Gruppe. Es geht alles, nichts ist unmoeglich. Wir sitzen zusammen bis spaet in die Nacht und die schaebige Unterkunft fuehlt sich schon viel besser an.


Km 253 - singapore nach Kluan

Datum:  14 Februar 2008  |  Von:  Robert  |  Stimmung: Erschöpft

Die Tage des Rumsitzens sind vorbei, endlich koennen wir was tun. Uebers Internet habe ich einen Motorbikeshop gefunden, der sich auf Fahrwerkstuning spezialisiert. Rufe an und fahre rueber, mit dem neuen WP-Federbein und Gabelfedern. Der Mechaniker braucht zwei Stunden bis das Federbein passt, vor allem die hydraulische Verstellung macht Probleme. Es ist einfach kein Platz da und es dauert eine Weile, bis wir eine Loesung gefunden haben.

Erste Ausfahrt am Abend, wir fahren in die City und machen ein paar Nachtaufnahmen mit Stativ. Singapur sieht bei Nacht einfach am besten aus, keine Frage. Schoen auch das man sich keine Sorgen machen muss, selbst nachts ist alles so sicher wie im Foyer eines Vier-Jahreszeiten- Hotels.

Fahre zu einem anderen Motorcycleworkshop am naechsten Tag um die neuen Gabelfedern einsetzen zu lassen. Klappt problemlos und ist preiswert. Probepacken und uns wird klar, das wir viel zu viel Zeug dabei haben. Schmeissen etliche Sachen weg, der Rest geht in ein Paket nach Deutschland: Zelt, beide Therm-A-Rest, Thermo-Einsaetze fuer Jacken und Hosen, das alte Federbein mit neuer Ersatzfeder, T-shirts, Kleinkram. 12kg. Noch ein Foto-shooting am Abend und Weckruf fuer 7 Uhr.

Zum ersten Mal voll beladen unterwegs, das Motorrad fuehlt sich an wie auf hoher See, wiegt sich auf und ab bei den kleinsten Bodenwellen. Zur LTA, Transmitter zurueckgeben und unsere Kaution abholen. Dann zur Grenze, warten in der Schlange mit hunderten von kleinen Scootern, die knatternd um uns rumschwirren. Jedes Schalterhaueschen hat eine kleine, enge Zufahrt, so eng dass ich mit der dicken BMW und den breiten Koffern gerade so, auf den Zentimeter, reinpasse. Niemand fragt nach dem Carnet, also laufe ich von einem Schalter zum anderen bis es endlich jemand abstempelt. Das gleiche drueben auf der anderen Seite in Malaysia.

Und dann sind wir durch und im chaotischen Feierabend - und Wochenendverkehr (es ist Freitag, 17 Uhr!) von Johor Bahru. Eigentlich wollen wir zur Ostkueste, aber ich verpasse die Ausfahrt und so schwimmen wir mit der Karawane die Westkueste hoch, bis endlich eine Kreuzung auftaucht und wir rechts abbiegen koennen, ins Inland. Das Motorrad fuehlt sich an als wuerde ich eine Bettdecke mit Zweizylindermotor fahren. Kurven mit Bodenwellen fuehren zu Schweissausbruechen und ich traue mich nicht, schneller als 80km/h zu fahren. Und selbst das ist zu schnell. Kluan ist in der Mitte von Irgendwo, aber gross genug um ein paar Hotels zu haben. Wir koennen die Maschine auf dem Buergersteig, direkt vor der durchgehend besetzten Rezeption parken. Eine heisse Dusche, eine ausgeleierte Matraze und eine laute Klimaanlage, aber es ist preiswert. Und am naechsten Tag lassen wir einen Haufen Gepaeck auf dem Bett zurueck, wir muessen leichter werden.

Km 0 - Singapur

Datum:  3-13 Februar 2008  |  Von:  Robert  |  Stimmung: Zwischen Frustration und Optimismus

Unser Hostel ist klein und sauber und Internet ist umsonst. Montag bringt die erste Ernuechterung. Das Schiff ist verspaetet, voraussichtliche Ankunft jetzt Samstag, nicht Mittwoch. Wir haben nur bis Mittwoch gebucht, und nein, verlaengern geht nicht, alles schon ausgebucht. Chinese New Year, viele Touristen und so sieht es auch in den anderen Hostels/ Hotels in unserer Preisklasse aus. Was nun? Wir muessen ein paar Tage ueberbruecken, ab dem Wochenende sind wieder Zimmer frei. Also buchen wir ein Hotel ab dem Wochenende, und entscheiden uns, fuer ein paar Tage rueber nach Johor Bahru, in Malaysia, zu gehen. Johor Bahru liegt direkt hinter der Grenze zu Singapur und viele Pendler leben dort. Ich entscheide mich, meinen Koffer (in dem immer noch das schwere neue WP- Federbein, die neuen Federn und das Gabeloel sind), mitzunehmen. Fehler No 1. Am Tag der Abreise lassen wir uns auch Zeit und checken unsere emails und wechseln Geld in der Stadt. Fehler No 2.

Der Trip rueber nach Malaysia, mit MRT (Singapur's phantastischer Magnetschwebebahn), Taxi, Bus, Taxi, ist dann natuerlich nicht so einfach wie gedacht, sondern eine richtige stressige Strapaze. Es ist heiss, es ist voll, und die Schlepperei ist moerderisch. Das Taxi laesst uns vor der Grenze raus, alles verstopft. Ewig lange Schlangen vor den Schaltern. Keine Klimaanlage. Hunderte von Leuten. Werde am Zoll rausgewunken und muss erklaeren, warum ich mit einem Federbein im Koffer rumreise (das frage ich mich auch). Endlich ueber die Grenze und kein Taxi haelt an. Es ist heiss, laut, es stinkt und ich bin nur noch genervt.

Irgendwann haelt dann ein Taxi an und bringt uns zu unserem Hotel. Das ist ca 20km von der Stadt weg, in einem Vorort, der aussieht als waer er in Beirut. Geschlossene und verrammelte Geschaefte, Bauruinen, leere Strassen. Nur unser Hotel leuchtet wie eine Boje der Zivilisation im Dunkeln und ist sogar ueberraschend komfortabel. Nachts knallen Schuesse in den Strassen. Naja, wahrscheinlich sind es nur Boeller (Chinese New Year), aber wundern wuerds uns nicht.

Bei Sonne sieht dann alles nicht mehr so wild aus, aber Fakt ist, das fast alle Laeden zu haben. Bis auf das Internet Cafe an der Ecke. Voll mit kids die Counterstrike spielen, so laut das mir selbst mit Ohrenstoepseln nach ein paar Stunden der Kopf droehnt.

Wir bleiben zwei Tage, die ueberraschend schnell vergehen. Dann zurueck nach Singapur, es fuehlt sich an als ob wir heimfahren. Um 8 Uhr sind wir schon an der Grenze und ruckzuck wieder drueben. Uff, geschafft. Rueber in unser neues Hotel, dann zum Singapur AA, die Formalien abklaeren wie wir das Motorrad in Singapur bewegen duerfen. Alles kein Problem, man kennt das schon. Wir kriegen ein permit und muessen eine Versicherung abschliessen, zusammen so S$130. Die Spedition, die hier unsere Kiste entgegennimmt, hat natuerlich ueber die Feiertage zu. Also keine Chance das Motorrad noch am Wochenende aus dem Hafen zu kriegen. Seufz. Wieder zwei Tage verloren.

Wieder Montagmorgen, Anruf bei der Spedition. Ja, alles klar, Motorrad ist da. Gut. Wir muessen vorher noch zur LTA, der Land Transport Authority. Singapur hat ein Mautsystem auf fast allen Strassen, wir muessen klaeren wie das laueft. Die LTA ist ewig weit weg, fast schon in Malaysia, und sieht aus wie ein richtig deutsches Strassenverkehrsamt. Schalter, Nummern, Ticket ziehen. Sind auch alle supernett und freundlich da. Aber waehrend fremde Autos einfach so rumfahren duerfen und ein feste taegliche Gebuehr zahlen, brauchen fremde Motorraeder einen speziellen Transmitter der am Lenker befestigt sein muss. Und dafuer muss eine Kaution hinterlegt werden. In bar. Und wir haben natuerlich nicht genug Geld dabei. Hrrmpf.

Bis wir den naechsten ATM gefunden haben und endlich den (batteriebetriebenen, gottseidank) Transmitter bekommen ist der halbe Tag rum. Wir fahren dennoch noch runter zum Hafen, dh mit dem MRT wieder quer durch die halbe Stadt. Die Spedition nimmt uns S$200 ab, fuer nichts, jedenfalls ist mir nicht klar, wofuer wir denen soviel Geld bezahlen. Und unten im lauten und heissen Lager will man nochmal S$100 haben. Fuer was ist auch nicht klar. Was klar ist, ist das der Container noch gar nicht entladen ist und wir eh heute nichts mehr machen koennen. Toll.

Dienstagmorgen, Anruf im Lager. Ja, Container ist entladen, Kiste draussen. Gut. Also hop in den MRT und runter in den Hafen. Zuerst zum Zoll. Jaaa, Kiste, Motorrad, soso. ALso dafuer muessen wir in die Zentrale und ein permit holen, das geht so nicht. Wo ist die Zentrale? Genau, wir muessen wieder quer durch die halbe Stadt. Als wir dort ankommen, ist gerade Mittagspause, logisch. Die Rezeption im 7ten Stock besteht aus einem Stuhl und einem Telefon mit einer Liste von Nummern die man anrufen kann. Nach einer halben Stunde in der Warteschleife wird abgenommen. Aber niemand versteht mich, das Telefon geht nicht richtig. Endlich erscheint jemand persoenlich, aus dem verschlossenen Buero gegenueber. Permit, nein, wir haben doch ein Carnet. Das koennen die Kollegen am Hafen doch selbst machen. Ja, das machen sie aber nicht. Die freundliche Dame ruft im Hafen an. Kommt zurueck und sagt es ist alles geklaert, wir sollen wieder zurueckgehen. Danke, das machen wir.

Wieder ist der halbe Tag rum als wir im Hafen sind. Jaa, ein Carnet, ja warum habe ich das denn nicht gleich gesagt. Alles kein Problem. Wir koennen das Motorrad auspacken und wenn wir rausfahren, wird alles abgestempelt. Breites, grosszuegiges Grinsen und wir werden aus dem Buero geschoben.

Und jetzt geht mit einem Mal alles ganz schnell. Nachdem die S$100 gezahlt sind stellt der Gabelstaplerfahrer unsere Kiste auf den Hof, in eine schattige Ecke. Rund um uns brausen die LKW's, werden Anhaenger angehaengt und abgestellt. Und wir in der Mitte, nur mit einem Brecheisen bewaffnet, vor uns die zugenagelte und voellig heile, unangetastete Kiste aus Neuseeland, mit dem Motorrad und unserer ganzen Ausruestung. Es ist 16:30.

Die naechsten Stunden sind dann richtig harte Arbeit. Alleine die Kiste aufbrechen dauert ewig. Erstaunlich wie hart und wiederspenstig Holz sein kann. Gepaeck raus. Motorrad losbinden. Dann das hintere Federbein wieder einsetzten. Heck anheben, Holz drunter. Federbein reinfriemeln. Geht nicht. Mehr Holz. Geht nicht. Noch etwas anheben. Gott, das Heck ist so schwer. Endlich ist das Bein drin. Dann zusammen das Motorrad auf den Hauptstaender wuchten. Vorderrad rein und vorsichtig von der Grundplatte der Kiste rollen. Geschafft. Es ist 7:30 als ich anfange die Batterie anzuklemmen und ein freundlicher Inder uns mitteilt, dass der Zoll um 8 Uhr zumacht. Wenn wir bis dahin nicht raus sind, koennen wir hier uebernachten. Wir werfen alles aufs Motorrad was nur geht, machen die Koffer dran und dann schiebe ich den Berg von Gepaeck und Motorrad rueber zum Ausgang, lasse Sarah zurueck um auf den Rest aufzupassen. Die Dame im Schalterhaueschen will auch nach Hause, wirft nicht mal einen Blick aufs Motorrad, stempelt das Carnet einfach so ab.

Und dann sitzen wir da, mit dem halbfertigen Motorrad und unserem ganzen Gepaeckgeruempel, unter den Laternen am Eingang zu diesem riesigen Lagerhaus. Es ist 20 Uhr,stockdunkel mittlerweile, aber wir sind noch lange nicht fertig. Batterie anklemmen. Vorderes Schutzblech dran. Windschutzscheibe. GPS anschliessen. Kennzeichen anschrauben. Spiegel. Federbein vorspannen. Tankrucksack dran. Gepaeck so gut wie geht verzurren. Sarah faehrt zwischendurch mit einem Taxi los und holt Benzin (Tank musste fuers Verschiffen leer sein. Voellig ueberfluessig, kontrolliert eh niemand.). Es ist 23 Uhr als wir endlich, ich mit etwas weichen Knien, das schwankende Motorrad aus dem Hafen und auf Singapur's nachtleeren Strassen rollen lassen.

Eine halbe Stunde spaeter sind wir dann schon wieder am Hotel, der Weg zurueck so einfach zu finden. Es ist tatsaechlich vollbracht.

Was fuer ein Tag.


Km 0 - Sydney

Datum:  1-3 Februar 2008  |  Von:  Robert  |  Stimmung: Müde

Es regnet. Nein, es giesst. Als der Flieger durch die grauen Wolken sinkt, erwarte ich jeden Moment die Sonne und das Opernhaus im azurblauen Hafen zu sehen. Aber nichts, es bleibt grau. Verkehrte Welt, heiss und Sonne in Wellington, nass und grau in Sydney. Hoffe das ist kein schlechtes Omen.

Wir sind mit Peter 'The bear' Thoemig zum Mittagessen verabredet. Peter ist Herausgeber, Chefredakteur, Photograph, Testfahrer und noch einiges mehr von 'Australian Road Rider', zZ Australien's auflagenstaerkstes Motorradmagazin. Peter moechte unsere Reise ueber die naechsten Ausgaben publizieren, alle zwei Monate soll ein Bericht von uns erscheinen. Peter ist so Mitte Fuenfzig und hat schon alles gesehen und gefahren. In den Siebzigern ist er per Motorrad von London nach Australien gefahren, quer durch alles was dazwischen liegt, einschliesslich Afghanistan. Er zeigt uns sein Buch darueber, voll mit alten Schwarz-Weiss-Bildern. Bilder aus einer anderen Zeit, aber irgendwie hat sich nichts geaendert, das Abenteuer bleibt gleich. Peter's office ist etwas groesser als ein Schuhkarton und jeder Zentimeter genutzt - fuer Bilder, Buecher (Lonely Planets von der ganzen Welt), Karten, Krimskrams. Wir sprechen ueber Grenzprobleme, Gepaeck und Strassen. Und wann wir ihm Bilder und Berichte schicken sollen. Es klingt alles ganz leicht, aber das wird es natuerlich nicht werden.

Das Wochenende geht schnell vorbei mit Besuchen bei alten Freunden und Bekannten. Im Flieger von Sydney nach Singapore sind nur Deutsche. Wir haben Glueck und das Bordpersonal erlaubt uns Plaetze zu tauschen, so das wir nebeneinander sitzen koennen - am Notausgang. Beine ausstrecken, was fuer ein Luxus. Sogar das Essen ist gut, thanks Singapore Airlines.


One Week

21 January 2008

Montag, Abholtag. Die Spedition kommt am Nachmittag vorbei und nimmt die Kiste mit, eine halbe Stunde nachdem ich die letzten Nägel reingeschlagen und den Deckel geschloßen habe. Da geht unser Motorrad und unsere gesamte Ausrüstung und ich bin einfach zu müde, zu ko um irgendwas zu empfinden.

Es ist meine letzte Arbeitswoche und jetzt, wo das Motorrad weg ist, kehrt die normale Routine wieder ein. Endlich mal wieder ins Fitnessstudio, tut gut nach den Feiertagen wieder zu schwitzen. Natürlich ist immer noch was zu erledigen. Die Zündbox, die ich gerne mitnehmen würde, kostet ein Vermögen in Neuseeland und die Hölfte in Sydney, das heisst Sarah wird sie besorgen wenn sie da drüben ist. Wir brauchen auch noch das Erste-Hilfe-Kit, Moskitonetze und das Reparaturset fuer die Therm-A-Rest.

Den Sommerschlußverkauf bei Kathmandu habe ich natürlich jetzt verpasst, so daß ich noch mal los muß. Aber ich hab nochmal Glück und finde ganz passable Stiefel für runtergesetzt $249, die sollten funktionieren. Meine letzte Rechnung bei BMW bezahle ich auch.

Ray ruft an und teilt mit dass unsere Sachen da sind. Und schon zwei Tage später haben wir einen Zettel von der Post im Briefkasten. Jetzt brauchen wir uns natürlich auch nicht mehr zu beeilen, die Kiste ist ja schon weg. Der letzte Arbeitstag geht wie im Flug vorbei, Abschied mit viel Gelaechter und Umarmungen. Wir sagen goodbye und versprechen uns wiederzusehen. Und das werden wir auch.

Am Samstag warden dann das Federbein und die Federn nochmal angeliefert. Und wow, was ist das für ein tolles Federbein, ich bin völlig begeistert. Massiv und solide mit zig Verstellmöglichkeiten macht es einen sehr vertrauenerweckenden Eindruck. Das wird halten. Abschieds-Grillen am Abend mit fast allen Freunden. Sarah fliegt morgen früh nach Sydney, es ist ihr letzter Abend hier in Wellington. Wir sehen uns dann in anderthalb Wochen drüben wieder und fliegen dann zusammen weiter nach Singapur.

Sonntag und ich wache in einem leeren Haus auf. Alles ist erledigt und jetzt muß ich nur noch die Wohnung auflüsen und einlagern. Es wird einige Tage dauern bis ich begreife, daß es wirklich vorbei ist, das die erste Phase unserer Reise abgeschloßen ist. Motorrad, Ausrüstung, Transport, Papiere und Dokumente, Geld – alles erledigt und organisiert.

Jetzt ist Zeit für eine kurze Pause, zum etwas entspannen, bevor Phase 2 beginnt, die eigentliche Reise selbst. Schon witzig, nach all diesen Monaten, nach diesem ganzen Jahr voller Planung und Vorbereitung, fühlt sich das an so wie nachträglich angehängt.

Als ob wir es vergessen hätten.

Two Weeks

14 January 2008

Die schlimmste Woche bis jetzt.

Am Montag ist mein Geburtstag, und das Büro macht auch wieder auf und so fühlt es sich überhaupt nicht wie ein Tag zum feiern an. Das heute mein Geburtstag ist nehme ich gar nicht richtig wahr, für mich ist es nur der Tag an dem es nur noch 7 Tage sind bevor das Motorrad abgeholt wird. Jeder Tag zählt nun und am Abend, nach der Arbeit, wechsele ich noch das Getriebeöl. Happy birthday to me.

Am Dienstag kommt Norbert vorbei und wir fangen an die Kiste zusammenzubauen. Heute nur die Grundfläche und zwei Seitenteile, der Rest dann wenn das Motorrad drin ist, mit dem Vorderrad ausgebaut. Es ist eine gute, stabile Kiste, aber obwohl wir beide schon zigmal so etwas gemacht haben, machen wir beide einen entscheidenen Fehler und dadurch wird der kommende Sonntag sehr stressvoll. Das Paket von Touratech ist endlich da, aber wir müssen erst nach Einfuhrsteuer dafür bezahlen. Aber wenigstens ist es im Land.

Mittwoch, ein weiterer Tag bei BMW. Über die letzten Wochen und Monate war ich so oft hier, daß ich gefragt werde ob ich nicht gleich einziehen will. Die neue Batterie ist da und wird gerade geladen. Ich nehme die neuen Handprotektoren mit und baue sie am Abend ein. Oder versuche es jedenfalls, denn nach 2 Stunden Bastelei stelle ich fest, dass die Lenkerhalter viel zu groß und sperrig sind und beim kleinsten Lenkeinschlag mit dem Armaturenbrett kollidieren. Man kann sie auch nicht anders anbauen oder verschieben, also war der gesamte Abend eine völlige Zeitverschwendung. Und Geldverschwendung da diese Komiker beim Hersteller mir sagten daß die Dinger ganz sicher an meiner Maschine passen würden. Ja, genau.

Dann ruft noch mein Onkel mit schlechten Neuigkeiten an. FOCUS hat kein Interesse, unsere Reise passt einfach nicht ins Konzept und für deren Leserkreis. Und der BMW Händler hat auch abgesagt, und wiedermal ist es das Motorrad – zu alt. Ich kanns schon verstehen, es geht ums Geschäft und eine Reise auf so einem alten Boxer, auch wenn sie noch so toll ist, heißt noch lange nicht daß sie dadurch auch nur eine neue GS verkaufen können. Ich hätte ja auch lieber eine neue GS, soviel sei mal gesagt

Donnerstagmorgen, wieder bei BMW. Michael schaut es sich an und stimmt mir zu, das kann nicht klappen, nicht mit diesen Haltern. Ich lasse die Maschine bei ihm und springe auf einen Roller, eine Gilera mit 180cc, um zur Arbeit zu kommen. Die rennt wie der Teufel, 120km/h auf der Gerade und immer noch 90 bergauf. Am Abend hole ich meine Kiste dann wieder ab. Michael brauchte drei Stunden um neue Halter zu bauen und alles passend zu buchen und viel geflucht hat er auch. Warum sind es immer die Sachen die eigentlich problemlos klappen sollten die dann schiefgehen? Immerhin sieht es jetzt gut aus, die Protektoren sitzen bombenfest. Die sollten funktionieren wenn – nicht falls – wir uns wegschmeißen auf irgendwelchen Pisten.

Anruf bei Ray am Donnerstag. Federbein und Federn sind jetzt ganz sicher unterwegs, nachdem sie beim ersten Mal bereits in Holland stecken geblieben sind. Jetzt müssen sie nur noch hier ankommen. Kommen sie morgen, hat er alles organisiert um sie noch rechtzeitig zum Wochenende zu uns zu bringen. Wenn nicht, muß ich alles mit ins Flugzeug nehmen. Ray sagt das er das schon oft gemacht hat, kein Problem.

Freitag. Hole das Paket von Touratech von der Post ab. Es ist alles da, der Kanister mit Halter, der Ölkuehler-Schlauch, der Tankrucksack, die Luftpumpe und der Reifendruckmesser. Es ist ein wunderschöner Tag und am Abend sind wir zum dinner bei Helen und John in Plimmerton, da wir uns sonst wohl vor der Abfahrt nicht mehr sehen werden.. Fish and chips an einem dieser seltenen windstillen Abende mit einem grandiosen Sonnenuntergang.

Samstag. Der letzte Tag, die letzte Gelegenheit rumzufahren und Fotos zu machen. Ausgerechnet heute blaest ein Sturm durch die Stadt und macht das fast unmöglich. Das Motorrad ist voll beladen, zum ersten Mal überhaupt, und fühlt sich erstaunlich gut an. Der neue Tankrucksack ist super, hat riesige Seitentaschen, die viel Gepäck aufnehmen. Wir machen Fotos am Strand und in den Buchten, aber es ist gar nicht so einfach sie so hinzukriegen wie wir sie haben wollen. Das letzte Foto wird das beste werden, gerade noch bevor die Sonne hinter den Huegeln verschwindet. Später sehen wir uns 'The Long Way Down' zu Ende an. Bei weitem nicht so witzig und unterhalten wie die erste Reise, vor allem deswegen weil sie fast nie alleine sind. Aber einige Szenen sind sehr nett und spannend gemacht. Hätte gerne eine ihrer R1200GS Adventure für unsere Reise.

Sonntag. Noch schnell die Maschine waschen und polieren am Morgen, das letzte Mal für eine lange Zeit. Die Maschine in die Kiste wuchten ist der erste Akt. James und ein Nachbar helfen, ist trotzdem eine gute Plackerei. Aber selbst nachdem die Windschutzscheibe runter ist und der Lenker abgeklappt, ist das Motorrad noch zu hoch für die Kiste. Sie muß kleiner, tiefer, werden. Norbert beschließt Löcher in den Boden zu hauen, so daß die Gabel durchgesteckt werden kann. Aber selbst das reicht nicht, also müssen wir sie tief in die Federn ziehen und festzurren. Dann muß noch das Federbein raus, da auch das Heck viel zu hoch ist. Das bedeutet wir müssen jetzt das Hecks stabilisieren, so daß der Kardan nicht zuviel gebogen wird und das Rad nicht auf dem Kotfluegel aufliegt. Meine Güte.

Unsere gesamte Ausrüstung dann in der Kiste zu verteilen, war die nächste Herausforderung. Die beiden Koffer mit den Schlafsäcken auf den Deckeln. Die beiden Helme, in Kartons, mit Schaumstoff drumherum. Die Gepäckrolle mit dem Stativ und den Schienbeinschuetzern. Die große Gepäckrolle mit unseren Jacken, Hosen, Handschuhen, Nierengurten. Und noch die Rolle mit dem Zelt und den Therm-A-Rest. Plus die Windschutzscheibe, das vordere Schutzblech und das Vorderrad, was auch alles irgendwie verstaut und festgezurrt werden muß. Zwischendurch mußte ich dann noch eben den Halter für den Kanister an den großen Alukoffer bohren und natürlich ging der erste Bohrer gleich kaputt. Müdigkeit und Erschöpfung hinterlassen ihre Spuren. Es ist weit nach Mitternacht bevor ich aufhöre und bin noch nicht mal mit allem fertig. Eine Seite vom Deckel fehlt noch, aber beide Batterien am Akku-Bohrer sind leer, genauso wie meine. Ich bin völlig erledigt, habe keine Energie mehr. Ich will das das alles nur noch zu Ende geht.

Three Weeks

6 January 2008

Ich werd nun mittlerweile immer oefter gefragt, ob ich aufgeregt bin. Ehrlich gesagt, bin ich nicht ein bißchen nervös oder aufgeregt, überhaupt nicht.

Seit Dezember fühlt es sich so an als waere jede Woche mehr zu tun, mehr zu organisieren, mehr zu kaufen, noch mehr Geld auszugeben. Ich hab schon lange nicht mehr vernünftig geschlafen, wache jeden Morgen mit tausend Gedanken auf was noch zu tun ist, was ich noch erledigen muß, wenn ich noch anrufen muß. Und die Liste der Dinge die wir noch nicht erledigt haben wird trotzdem nicht kürzer.

Wir hatten noch nicht eine Testfahrt mit dem Motorrad unter voller Beladung, schlicht und ergreifend deswegen weil wir immer noch nicht unsere ganze Ausrüstung haben.Unser Federbein und Gabelfedern stecken wahrscheinlich im Zoll fest, aber Ray weiß nichts genaues und wird nächste Woche WP in Holland anrufen um die Trackingnummern der Pakete zu bekommen. Das gleiche mit unserem Paket von Touratech. Im Moment sieht es so aus als ob wir noch nicht mal das Federbein und die neuen Federn rechtzeitig zum Verpacken des Motorrades bekommen warden.Das heißt wir müssen es nach Singapur per Post schicken. Das heisst auch ich kann das alles da oben einbauen, irgendwo auf dem Parkplatz oder in der Garage von unserem Hotel, bei 35 Grad im Schatten und 120% Luftfeuchtigkeit. Und kann nur hoffen – beten – daß die Jungs bei WP keinen Fehler gemacht haben und alles passt. Wenn nicht, dann Gute Nacht.

Es fehlt noch mehr Ausrüstung. Stiefel. Erste-Hilfe-Kit. Reisekrankenversicherung. Das Motorrad war bei BMW diese Woche, hat eine neue Kupplung bekommen, die Alarmanlage und den neuen, gebrauchten Krümmer auf der rechten Seite, da der alte (komischerweise nur rechts) deutlich am rosten war. Die alte Kupplung war noch ok, aber es war die erste. 15 Jahre alt, 140.000km runter. Das heißt es dauert nicht lange und die gibt den Geist auf. Kürzer mit zwei Personen, volle Beladung und extreme Hitze. Also neu. Gutes Gefühl, aber die Rechnung war dann doch ordentlich. Ohne die großzügige Unterstützung von BMW alles zum halben Stundenlohn zu machen, hätten wir noch ein Problem mehr.

Mein Onkel hat mit dem BMW Händler gesprochen und dieser hörte sich sehr interresiert an. Wir vereinbaren eine Brochüre fertigzumachen und ihm zu emailen. FOCUS schweigt sich aus, der Redakteur hat sich noch nicht gemeldet. Kein gutes Zeichen.

Das Motorrad fühlt sich völlig anders an. Die Stahlflex-Bremse, neue Kupplung und der neue Hinterreifen haben das Handling unglaublich verbessert.

Hab auch noch das Motor – und Kardanöl gewechselt. Dazu die neuen Ventildeckel mit Dichtungen montiert, neue Benzinfilter und Zündkerzen.

Erstes Probepacken und wir stellen fest dass wir zuviel Kram haben. Die Koffer, ohnen Laptop, kommen auf ueber 12kg pro Seite. Das ist zu viel, ich will daß das Heck so leicht wie möglich ist. Jeder Koffer höchstens 10kg, dazu 10-15kg auf dem Gepäckträger, wo auch das Stativ sein wird.

Wir sind uns uneins ob wir ein Zelt mitnehmen sollen. Schlafsäcke ja, aber brauchen wir wirklich ein Zelt? Und die Therm-A-Rest? Und den Benzinkocher? Und das Campinggeschirr? Wie oft warden wird das wohl brauchen in den 8 Monaten? Fünf Mal? Lohnt sich das?

Tja, und das ist der Grund warum ich nicht aufgeregt bin. Ich will daß alles nur noch erledigt und in trockenen Tüchern haben. Mehr nicht

Und danach habe ich Zeit nervös zu werden. Oder endlich mal etwas zu schlafen.

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